Abb. 266. Glocke und Donnerkeile eines Lamas.

Abb. 267. Ein Altarräuchergefäß aus Nepal.

Gebetmühle in einem buddhistischen Tempel in Tibet.


GRÖSSERES BILD

Der Dalai-Lama ist nach außen hin fast gar nicht als weltliches Oberhaupt tätig; er ist nur das Oberhaupt der Kirche. Jene Tätigkeit liegt dem sogenannten Regenten und dem Ministerrat ob, die in seinem Namen amtieren. Dem Dalai-Lama sind eine Unmasse hoher und niederer Priester untertan, deren es in Lhassa selbst nicht weniger als achtzehntausend (Mönche und Nonnen) geben soll. Sie unterscheiden sich nach vier Rangstufen und leben alle im Zölibat. Die meisten der lamaistischen Priester leben in Klöstern, mit denen das ganze Land gleichsam übersät erscheint. — Der Gottesdienst des tibetischen Buddhismus ([Abb. 266] und [267]) ist in reinen Formenkram ausgeartet. Man betet nicht allein mit den Lippen und dem Herzen, sondern man bringt den Göttern seine Gebete bereits gedruckt oder geschrieben auf Felsplatten, die lange Mauern ([Abb. 271]) bilden, sogar viele Meter lang (in der Nähe geweihter Gebäude oder Bergpässe), auf Pyramiden, Papierstreifen und so weiter dar. Diese Gebete pflegen nur die vier typischen Worte zu enthalten: Om ma-ni pad-me hum, gleich „O Gott, das Kleinod im Lotos. Amen“. Das bloße Aussprechen dieser Weiheformel genügt für den, der dies tut, um eine Wiedergeburt direkt ins Paradies zu bewirken. Die Anbetung wird dadurch noch besonders erleichtert, daß man nur Gebetmaschinen (siehe [Kunstbeilage]) zu drehen braucht, die in endloser Reihenfolge diese Formel, auf Papier oder Seide geschrieben, abwickeln. Für den Hausgebrauch werden kleine Gebetmühlen benutzt, kleine Zylinder, die in ihrem Innern auf einer Röhre Papierstreifen mit dem aufgeschriebenen Gebet enthalten und durch einen durchgehenden Stift in rotierende Bewegung versetzt werden ([Abb. 268]). In den Tempeln finden sich größere Gebetmaschinen, die mit einem Strick getrieben werden. Ja, auch ohne die geringste körperliche Anstrengung kann man seine Gebete zum Himmel senden, nämlich durch Mühlen, deren Inhalt durch Wind oder Wasser in Umdrehung versetzt wird.

Phot. Captain F. M. Bailey.

Abb. 268. Ein Tibeter beim Drehen seiner Gebetmühle.