In der linken Hand trägt er einen Rosenkranz aus hundertundacht Perlen.
Phot. The Moravian Mission.
Abb. 269. Ein Opfermast beim Bonistenfest.
Er ist mit Fadenarbeiten in geometrischer Form ausgestattet, deren Rippen gewöhnlich ein einfaches oder ein Doppelkreuz bilden.
Phot. Captain F. M. Bailey.
Abb. 270. Anbetung der Göttin der Chumulhariberge zu Phari und an anderen Orten dieses Gebirgstockes.
Es werden Kuchen und Mehl, die nach uraltem Bonistenritus geweiht sind, nach den Bergen zu geworfen.
Trotz der hohen Entwicklung, die der Buddhismus in Tibet angenommen hat, ist das Volk doch noch in so hohem Grade von animistischen und schamanistischen Anschauungen durchsetzt, wie wohl an wenigen Stellen der Erde. Wir begegnen als Überresten der vorbuddhistischen Religion, des Bonkultus ([Abb. 269] bis [272]), noch vielfach den Teufelstänzern, die die Aufgabe haben, die Dämonen zu beschwören, sie zu besänftigen und so Glück über das Land und seine Bewohner zu bringen ([Abb. 275]). Diese sind in hohem Grade abergläubisch und glauben sich auf Schritt und Tritt von Legionen böser Kräfte umgeben, gegen die sie nicht nur bei diesen Schamanen, sondern noch mehr bei den buddhistischen Priestern Schutz suchen, die sich übernatürliche Kräfte beilegen. Sie behaupten von sich sogar, sie besäßen die Macht, den Sündern ihr Geschick noch nach dem Tode zu erleichtern, auch wenn sie bereits in der Hölle weilen und hier allen möglichen schrecklichen Peinigungen unterworfen werden, sobald ihre irdischen Verwandten den Priestern Geschenke in entsprechender Menge machen, um für das Seelenheil der Verschiedenen die teuren Zeremonien vorzunehmen und Messen zu lesen. In der Hölle wären daher Lamas, die umhergehen, ihre Gebetmühlen drehen und Zaubersprüche zum Nutzen der gequälten Seelen murmeln, wenn überlebende Verwandte sich deren Heil angelegen sein lassen. Das Verlangen nach materiellem Schutz gegen die unsichtbaren bösen Geister führt die Menschen dazu, auf Zaubersprüche und Amulette ein felsenfestes Vertrauen zu setzen; man sieht jedermann, Männer, Frauen und Kinder damit behängt. Diese Zauberformeln sind meistens in Sanskrit geschriebene Aussprüche, die dem Buddha zugeschrieben werden und angeblich den indisch-buddhistischen Schriften entnommen wurden. Sie werden ergänzt durch Reliquien heiliger Mönche, geweihte Körner, kleine Götzenbilder und allerhand andere heilige Dinge, die, zusammen mit ihnen, in ein goldenes, silbernes oder kupfernes, reich verziertes Amulettkästchen eingeschlossen, als massiver Schmuck ([Abb. 272] und [277]) getragen werden. Die volkstümlichste aller Zauberformeln sind die oben angeführten Worte, die auf den Gebetmühlen gedreht werden. Diese abergläubischen Vorstellungen finden sich auch wieder in dem Brauche, hohe Masten mit wehenden „Gebetfähnchen“ ([Abb. 279]) aufzustellen und Girlanden aus solchen von Dach zu Dach, an von Geistern bewohnten Bäumen und an Bergpässen ([Abb. 276]), die von Geistern besonders heimgesucht werden sollen, anzubringen.