Abb. 326. Passionsspiele zur Erinnerung an Hassan und Hussein,
die alle Jahre im Monat Mohurrum abgehalten werden. Die Szene spielt sich auf dem Innenhofe einer Moschee ab; die Plattform ist über dem künstlichen Gewässer im Hofe errichtet. An den Seiten ist Platz für den Umzug gelassen.
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GRÖSSERES BILD
Um ein leichtes Kindbett zu erzielen, muß man einen Erdklumpen zurechtmachen, das Eingangskapitel des Korans daraufhauchen und dann den Kloß in den Brunnen werfen. Im westlichen Persien schießt man Flinten ab, wenn eine Frau in den Wehen liegt, um Dämonen zu vertreiben, oder man legt einen Säbel neben die Kreißende oder setzt auf dem flachen Dache des Hauses eine Reihe als Soldaten angezogener Puppen durch Fäden in Bewegung. Zögert trotzdem die Geburt, dann läßt der Ehemann einen Schimmel von der nackten Brust seiner Frau Gerste fressen. Manche Pferde haben durch solchen vermeintlich günstigen Einfluß einen gewissen Ruf bekommen, und es geschieht dann, daß sich in einem Dorfe die Männer zweier Frauen, die gleichzeitig Geburtswehen verspüren, um dieses Heilmittel streiten.
Phot. Henri D’Allemagne.
Abb. 327. Das Banner des Propheten
inmitten einer Pilgergruppe beim Hassan-Hussein-Fest.
Sobald ein Knabe geboren ist, wird er fest wie eine Mumie eingewickelt, seine Augen werden mit Antimon geschwärzt und um seinen rechten Arm werden ein oder mehrere Amulette gebunden, um den bösen Blick abzuwenden. Dasselbe will die Hebamme dadurch erreichen, daß sie das Kind dreimal feierlichst Hals über Kopf umdreht. — Während des Wochenbetts darf kein Glas Wasser ins Zimmer gebracht werden, das würde Schielaugen beim Kinde zur Folge haben; ebensowenig darf es jemand, der Trauer hat, betreten, denn das würde Unglück bringen. Am siebenten Tage reibt man die Gelenke des Kindes mit Antimon ein. Verwandte und Freunde setzen sich dann in einem Kreis um dasselbe herum und schieben das Kind dreimal durch eine Rolle, auf der das schon öfters erwähnte Yasinkapitel des Korans geschrieben steht. Die persischen Mütter nähren ihre Lieblinge zwei Jahre lang; sie sind auf das Erscheinen des ersten Zahnes noch mehr erpicht als unsere Mütter. Denn sollte sich ein Zahn zuerst in dem Oberkiefer zeigen, dann stünde den Eltern ein furchtbares Unglück, vielleicht selbst der Tod bevor, falls nicht etwa, um das Unheil abzuwenden, das Kind vom Dache heruntergeworfen wird. Um nun in solchem Falle zu vermeiden, daß dieses gewaltsame Heilmittel einen noch schlimmeren Ausgang nehme als die Krankheit selbst, fangen vier Männer das fallende Kind mit einer ausgespannten Decke auf.
Eine Einweihungsfeierlichkeit (Beschneidung) der Knaben bis zum Alter von vierzehn Jahren wird allen Anhängern des Islams zur strengen Pflicht gemacht; bei den Reichen erfolgt diese Aufnahme bereits im Alter von acht Jahren. Freunde und Verwandte nehmen an diesem Feste teil. Ist die Zeremonie vorüber, dann wird ein Kohlenbecken mit Raute gefüllt und diese angezündet, um durch den Rauch Unglück abzuwenden; jeder der Anwesenden wirft eine Münze in die Flamme.