Die Kleidung der Kirgisen setzt sich aus kurzen, aber sehr weiten Reithosen aus Baumwollstoff, Leder oder Häuten, deren Haare nach außen gerichtet sind, mächtigen Stiefeln und einem langen Mantel mit sehr langen, engen Ärmeln und (zur Winterszeit) einem Baschlik zusammen. Die Kleidung der Frauen ([Abb. 356]) ist der der Männer gleich. Merkwürdig ist an ihr, daß unverheiratete Mädchen sich mit reichem Schmuck aus Edelsteinen und Edelmetall behängen dürfen, verheirateten Frauen dies aber verboten ist; sie unterscheiden sich von ersteren auch noch dadurch, daß sie sich ein weißes baumwollenes Tuch um Kopf und Schultern binden.

Abb. 352. Ein Tanzknabe bei seiner Vorstellung.

Trotz ihres enormen Reichtums an Vieh verstehen sich die Kirgisen nur im Notfalle dazu, ein Stück zu schlachten; sie betrachten ihre Herden als ihr Kapital und begnügen sich mit Milch und deren Erzeugnissen, unter denen der Kumys (in schafledernen Schläuchen gegorene Stutenmilch) die erste Stelle einnimmt, Hirsebrei und einer aus Mehl hergestellten Speise. Nur bei festlichen Gelegenheiten genießen sie Fleisch; dann aber lassen sie auch, wie man zu sagen pflegt, etwas springen, und zahlreiche Tiere müssen daran glauben. Als große Delikatesse wird der Tjustjuk geschätzt, ein etwa handtellergroßes, nur aus Fett bestehendes Bruststück vom Schaf, das man mit dem noch daran haftenden Fell an einem Holzstab über Kohlenfeuer röstet.

Obwohl sich die Kirgisen zum Islam bekennen, gehen sie doch ganz in animistischen Anschauungen auf; wie die sibirischen Völker kennen auch sie Schamanen (Baksas genannt). Diese wahrsagen auch und heilen Kranke, wobei sie Pferdeopfer darbringen. Zu Heil- und Schutzzwecken verwenden sie außer Amuletten allerlei tierische Substanzen. Sehr gefürchtet wird der böse Blick; allgemein verbreitet ist auch der Glaube an Vorzeichen in Träumen und Körperzuckungen, ferner der Tier-, Zahlen-, Sternenglaube und das Orakel. Man wahrsagt aus Schafsknochen und Schafmistkugeln.

Mit Erl. der Cambridge University Preß.

Abb. 353. Eine heilige Grabstätte, Mazar genannt,

die gleichzeitig Gebetshaus ist. Die angebrachten Steinbockhörner sind Symbole der männlichen Kraft. Vom Mast hängt ein Yakschwanz herab.


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