Aus „Globus“.
Abb. 354. Jurte eines reichen Kirgisen bei Omsk. Innere Ansicht.
Die Frauen der Kirgisen sind die reinen Arbeitstiere, wie auch sonst bei den Nomadenstämmen. Während die Männer auf ihren Wanderzügen stets zu Pferde sitzen, müssen die Frauen vielfach zu Fuß nebenher laufen. Sie tragen keinen Schleier.
Eigentliche Hochzeitsgebräuche kennen die Kirgisen nicht. Man begnügt sich im allgemeinen damit, ein großes Hochzeitsmahl zu veranstalten. Die Braut trägt einen unförmigen, hohen, kegelartigen Kopfputz (Saukele) aus rotem Stoff, der reich mit Perlen, Münzen, Edelsteinen und Silberschmuck verziert ist und unter Umständen einen Wert von mehreren tausend Mark darstellt.
Bei Beginn der Geburt werden alle Weiber aus der Jurte entfernt, in dem Glauben, es könnte eine darunter sein, die vom Satan besessen wäre. Dagegen versammeln sich die Männer drinnen, und draußen stellen sich alle übrigen Dorfbewohner auf. Man schreit, lärmt, knallt mit der Peitsche und schießt mit der Flinte, manchmal schlägt man auch, nur zum Schein, auf die Kreißende ein. Offenbar sollen dadurch die bösen Geister verscheucht werden. Außerdem holt man einen Dargon, eine Art Arzt, oder häufiger den Schamanen hinzu. Dieser nimmt die üblichen Beschwörungen vor, um die Geburt zu erleichtern.
Wird ein solcher Baksa zu einer Kreißenden gerufen, dann läßt er zunächst alle Feuer bis auf das auf dem Herde brennende auslöschen, kniet, mit einem langen, weißen Hemd bekleidet, vor ihr nieder und beginnt, sich langsam hin und her neigend, auf einem dreisaitigen mandolinenähnlichen Instrumente zu spielen, das er von Zeit zu Zeit schüttelt. Darauf singt er mit zitternder Stimme eine fremdartige, wilde Melodie. Ab und zu unterbricht er die Musik und seinen Gesang durch unartikulierte laute Schreie und springt endlich nach einer kurzen Pause sehr erregt auf; mit verzerrtem Gesicht und rollenden Augen fängt er an, in der Jurte im Kreise umherzugehen, zu gestikulieren, als ob er Krämpfe habe, umherzuspringen, überhaupt sich wie toll zu gebärden. Wenn gar zwei Baksen herzugezogen worden sind, wird die Szene noch wilder. Beide rasen umher, und einer sucht den anderen an Wildheit zu überbieten; sie beißen sich, bewerfen sich mit glühenden Feuerbränden und hören mit ihrem Toben nicht eher auf, als bis der schwächere kraftlos zusammenbricht. Inzwischen soll die Geburt sich leicht abwickeln. — Die ganze Kindererziehung beschränkt sich für die Knaben auf das Erlernen des Reitens — die Kirgisen sind vorzügliche Reiter —, für die Mädchen auf Spinnen, Weben, Sticken und Herstellen von Gewändern und Filz, sowie in dem Erlernen der Hauswirtschaft.
Abb. 355. Sartische Musikanten.
Bemerkenswert sind die über zwei Meter langen Trompeten aus Kupfer, die nur bei ganz besonderen Gelegenheiten geblasen werden. Ihre Töne klingen wie Ochsengebrüll.