Turkmenen. Der dritte Volksstamm, der für unser Gebiet in Betracht kommt, sind die Turkmenen. Sie führen die gleiche Lebensweise wie die Kirgisen. Dementsprechend leben sie unter Zelten, die sie in der Weise herstellen, daß sie dicken Filz über ein Gestell aus Weidenruten hängen. Das Innere dieser Wohnungen ist an den Wänden mit kostbaren Gebetsteppichen, gewebten Vorhängen und den berühmten Satteltaschen ausgestattet; ebenso liegen dicke Filzdecken oder Teppiche auf dem Boden. Ihr Reichtum an Herden, die vorwiegend aus Pferden bestehen, ist bei weitem nicht so bedeutend wie der der Kirgisen.

Ihre Tracht gleicht der kirgisischen; nur ein Kleidungsstück unterscheidet die Turkmenen von diesen ihren Stammesvettern, das ist ihre große buschige schwarze Schafwollmütze, der Kalpak. — Wie die Kirgisenfrauen gehen auch die Turkmeninnen unverschleiert. Dagegen behängen sie sich viel mit allerlei Schmuckstücken, die ein ziemliches Gewicht haben, zum Beispiel schweren Brustharnischen mit Achatsteinen oder massiven Daumenringen, dicken Armbändern, die so breit sind, daß sie den ganzen Vorderarm bedecken, und anderem mehr. Mancher Ehemann legt in diesem Schmuck beinahe sein ganzes Vermögen an.

Auch die Turkmenen sind vorzügliche Reiter, und ihre Frauen sind in dieser Kunst nicht minder geschickt als die Männer. Außerdem sind die Turkmenen große Liebhaber von Ringkämpfen, bei denen die Zuschauer in dichten Reihen umherstehen. Jeder barfüßige Held, dem es gelingt, seinen Gegner zum Straucheln zu bringen und ihn platt auf die Erde zu werfen, wird mit lautem Beifall von ihnen begrüßt. Der Kampf spielt sich in ruhiger, bedächtiger Weise ab; Roheiten kommen dabei nicht vor. Ein Schiedsrichter überreicht dem Sieger helleuchtende seidene Taschentücher; mit dem Stock in der Hand hält er die Ordnung aufrecht.

Phot. Annette M. B. Meakin.

Abb. 356. Kirgisenfrauen.

Im Unterschied von den Sarten verschleiern sie sich nicht.

Die Toten werden in der üblichen Weise begraben. Am dritten, siebenten, vierzigsten, hundertsten und am Jahrestag werden Erinnerungsfeste an die Verschiedenen abgehalten, am Jahrestage geht es ganz besonders feierlich zu. Auf das Grab werden Steine gesetzt, und man umfriedigt es mit Platten; auch errichtet man Sarkophage und Mausoleen auf ihm.

Phot. Sir Mark Sykes, M. P.