Von den mit dem Nationalgewand (Lamba) bekleideten und mit Blumen geschmückten Mädchen tanzen die größeren einen Kindertanz; die jüngeren begleiten sie mit taktmäßigem Händeklatschen.
Die Religion der Hova, wie der Madagassen überhaupt, ist offiziell das Christentum, aber in Wirklichkeit zeigen sie sich religiös gleichgültig und neigen eher zu ihrem alten animistischen Aberglauben. Sie erkennen ein höchstes Wesen, Sanahary, das heißt den allgemeinen Schöpfer, an, den sie aber, da er seinem Wesen nach gut ist und dementsprechend im allgemeinen kein Unglück verhängt, in ihrem Kult ziemlich vernachlässigen. Dagegen sind die Geister der Ahnen Gegenstand der größten Verehrung, zumal sie außerordentliche Furcht einflößen. Man glaubt nämlich an ihre absolute Macht, Gutes und Böses über die Lebenden zu verhängen, denen sie sogar von Zeit zu Zeit einen Besuch abstatten. Das geht selbst so weit, daß man annimmt, ein verstorbener Mann könne nachts seiner Ehefrau beiwohnen, weswegen auch lange nach seinem Tode geborene Kinder als legitim anerkannt werden. Die Ahnengeister erhalten Opfergaben, gewöhnlich ein Stück Rindfleisch und etwas Rum, das man zu ihrem Grabe bringt, wenn man ihre Gunst gewinnen will. Die Madagassen glauben auch an die Unsterblichkeit der Seele, nehmen aber an, daß diese nicht ohne weiteres zum Himmel aufsteige, sondern zuvor noch eine Reihe Wanderungen durch teils wirkliche, teils eingebildete tierische Wesen durchzumachen habe, die der Mensch sich bis zu einem gewissen Grade aussuchen könne. Am meisten ist der Aberglaube verbreitet, daß die Seele des Toten sich zuerst in ein Kokolampy verwandle, ein Fabeltier mit langen Haaren, das in düsteren Wäldern umherirre, um die Gräber schleiche, sich von Krabben nähre und am Tage in Höhlen hause, nachts aber unheimliche Laute von sich gebe. Sobald man diese Töne hört, wagt sich niemand allein des Nachts in den Wald, in den Häusern stockt die Unterhaltung, kurz, es herrscht große Furcht. Wenn das Kokolampy stirbt, geht die Seele in den Körper eines dicken Nachtschmetterlings, den Voangoamba, über, dem zu begegnen den bevorstehenden Tod eines Familiengliedes anzeigt, sodann in ein Chamäleon, weiter in ein Insekt, namens Angalatsaka, und schließlich in eine Ameise, nach deren Tod sie sich erst befreit und in den Himmel eingeht.
Phot. G. Grandidier.
Abb. 412. Wasserträger der Betsimasaraka.
Als Wasserbehälter dienen mächtige Bambusrohre, die das heiße, feuchte Klima prächtig gedeihen ließ.
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GRÖSSERES BILD
Unter den Sakalaven ist der Steinkultus noch sehr verbreitet, der offenbar mit alten religiösen Vorstellungen zusammenhängt. So begegnet man öfters großen Steinhaufen, die von Goldsuchern zusammengetragen wurden und von ihnen, unter Darbringung von Honig als Opfergabe, um Hilfe bei ihrem Gewerbe angefleht werden. An anderen Orten trifft man auf zwei einzelne große Steine, deren einer nach Norden, der andere nach Süden zeigt, die von Frauen, die Mütter werden wollen, angebetet und mit Honig und Fett eingerieben werden; wer sich einen Knaben wünscht, wendet sich an den südlichen, wer ein Mädchen haben möchte, an den nördlichen Stein. Andere Steine werden angegangen, um eine Zunahme des Besitztums, eine Vermehrung der Herden, Fruchtbarkeit für die Aussaat und ähnliches mehr zu erflehen. Es gibt auch Steinbauten in Form von Dolmen; auf sie gießen die Tanala, bevor sie ihre Toten begraben, die von diesen ausgeschiedene Flüssigkeit aus und richten Gebete und Danksagungen an die Seelen der Vorfahren. Daher findet man auf ihnen auch stets Bananenblätter mit Reis und einen Bambusbehälter mit Honig oder Rum.
Phot. G. Grandidier.