Phot. Yei Ozaki.
Abb. 36. Ein japanisches Kind wird im Alter von drei Jahren zum zweitenmal seiner Schutzgottheit zugeführt.
Die Kinderwärterin trägt eine Tasche für das Schwert und den Talisman, die das Kind vom Priester erhält.
Das „Gion“-Fest in Kyoto.
Dieses Tempelfest, das größte in Japan, wird vom 17. bis 24. Juli jeden Jahres durch einen prächtigen Umzug von dreiundzwanzig Dashi oder Festwagen gefeiert. Auf dem vorderen Wagen befindet sich zwischen zwei Gefährtinnen die Haupttänzerin in prächtigen Gewändern und reich geschmückt.
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GRÖSSERES BILD
Eine große Rolle spielen bei der japanischen Hochzeit die Geschenke, die das Brautpaar erhält ([Abb. 47]) und die oft genug einen großen Wert darstellen. Sie bestehen in allen Arten von Seide oder Krepp für die Kleidung des jungen Mannes und der jungen Frau. Meistens sind diese Stoffe in Weiß gehalten, damit die Empfänger sie nach eigenem Geschmack nachfärben lassen können. Von der Großartigkeit der Hochzeitsgeschenke und dem Luxus, der mit ihnen getrieben wird, kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man hört, daß bestimmte Leute das Einwickeln von ihnen als besonderes Geschäft betreiben. Denn auch hierfür werden bestimmte Gewohnheiten beobachtet. Um jede Schachtel oder jedes Paket, das solche Glückwunschgaben enthält, werden zwei Stücke von extra schwerem weißen Papier gewickelt, und um das Ganze sodann noch in der Mitte ein rot und weißes zehnsträngiges Papierband, Mizuhiki genannt, das oft in Locken oder Ranken endigt, zu einer zierlichen Schmetterlingsschleife gebunden. Oft verwendet man dazu auch Gold- und Silberpapier und führt darin allerlei Muster und Phantasiegebilde aus; sehr beliebt sind Schleifen mit mehreren Schlingen in Form einer fünfblätterigen Pflaumenblüte, des Symbols der Lieblichkeit und Tugend der Frau, die sich im Unglück behauptet, geradeso wie die Pflaumenblüte mitten im Schnee zur Entwicklung gelangt. Auch ein Stück getrockneter Seeohrmuschel (Haliotis) pflegt jedes Geschenk zu begleiten. Da dieses Tier, das wie ein Stück getrockneten Pergaments aussieht, elastisch ist, so versinnbildlicht es Haltbarkeit und lange Lebensdauer, und seine Schale die Beständigkeit der Liebe. Die Geschenke aus Seide oder Krepp werden oft auch in Form großer Fächer arrangiert, um dadurch anzudeuten, daß sich im Leben des jungen Paares das Glück ebenso ausbreiten möge, wie der Fächer. Zu den genannten wertvollen Geschenken gesellen sich noch eine Menge getrockneten Fisches (Katsobushi genannt), der so hart ist, daß er wie Holz gehobelt werden muß und im Haushalte für alle möglichen Suppen und als Würze bei den meisten Gerichten Verwendung findet, sodann kleine Sträuße künstlicher Kiefer- und Bambuszweige, sowie Pflaumenblüten. In der romantischen Phantasie des Volkes stellt die Kiefer das Sinnbild der Ausdauer und Beständigkeit, der Bambus das der Aufrichtigkeit und die Pflaumenblüte das der weiblichen Tugend dar.