Phot. W. D. Marcuse.

Abb. 419. Krankenbehandlung bei den Sakalaven,

die in der Hauptsache in einer Einreibung des Gesichts mit Maniokpulver und gelbem Ocker besteht. Diese Salbe bleibt so lange liegen, bis der Kranke gesund geworden ist.

Phot. James Sibree.

Abb. 420. Ein Grab der Betsileo.

Der Tote ruht in dem steinernen Unterbau; der Turm ist aus Holz hergestellt und weist oft schöne Schnitzereien auf.

Die Kinder wachsen von der Liebe und Sorgfalt der Mutter behütet heran; solange sie nicht gehen können, trägt diese sie beständig auf dem Rücken mit sich herum, sei es, daß sie auf dem Felde arbeitet oder im Haushalte tätig ist. Eine Erziehung erhalten diese Kinder weder in geistiger noch in moralischer Hinsicht, und sie wachsen heran, ohne daß ihre Fehler beachtet und verbessert werden. Überhaupt nimmt die Moral in Madagaskar eine ganz untergeordnete Stufe ein, besonders in geschlechtlichen Dingen. Ein junges Mädchen kann tun und lassen, was ihm beliebt. Daher ist es auch gang und gäbe, daß die Mädchen bereits vor ihrer Reife, also etwa mit zehn bis elf Jahren, oft auch noch früher, geschlechtlichen Verkehr anfangen und freie Vereinigungen der jungen Leute allgemein üblich sind. Schamhaftigkeit und Keuschheit sind, mit wenigen Ausnahmen, auf Madagaskar ziemlich unbekannte Tugenden. Im Gegenteil, die Eltern begünstigen sogar die freie Liebe ihrer Töchter, nur der Verkehr eines Mitgliedes der adligen oder der freien Kaste mit einer Sklavin wird mißbilligt. Da auf die Jungfräulichkeit der Mädchen absolut kein Wert gelegt wird, so erscheint es verständlich, daß auch die gastliche Prostitution, das heißt das Überlassen der Töchter des Hauses an Gastfreunde von hohem Rang, zu den Pflichten des Hausherrn gehört.