Phot. James Sibree.

Abb. 417. Madagassische Musikanten.

Die Madagassen besitzen eine ziemliche Auswahl von Musikinstrumenten, so (auf dem Bilde von links nach rechts zu sehen): die Flöte, die einsaitige Geige, den Lamako (zwei Holzbretter, die man gegeneinander schlägt), die Bambusgitarre, die Trommel, die Kürbisgeige und als weiteres Blasinstrument die Muschel.

Ist die Geburt erfolgt, was mit großer Freude begrüßt wird, dann fleht der Vater den Segen Gottes, der Vorfahren, der „zwölf Könige“ und der „heiligen zwölf Berge Imerinas“ herab. Der Säugling wird mit Rinderfett abgerieben, damit er kräftig gedeihe. Daher pflegen Erwachsene bei Wettspielen und Kämpfen einander mit den Worten herauszufordern: „Komm her, wenn du von deiner Mutter wirklich mit Fett eingerieben worden bist.“ Die Namen, die die Madagassen ihren Kindern beilegen, werden meistens von Tieren oder Pflanzen hergenommen und mit der Vorsilbe ra versehen; es können dabei unter Umständen recht lange Namen herauskommen, wie Ravoninahitriniarivo, was „tausend Blüten des Grases“ heißen soll. Auch häßlich klingende Namen, wie zum Beispiel Misthaufen, werden dem Kinde beigelegt, um dadurch das Unglück, das ihm droht, abzuwenden.

Phot. W. D. Marcuse.

Abb. 418. Krankenbehandlung zu Tulear.

Der Leidende, dessen Zustand auf die Wirkung eines Teufels (Bilo) zurückgeführt wird, muß auf einer Plattform vom Blute eines Ochsen trinken, der zu seiner Wiederherstellung geopfert wurde.

Einen wichtigen Augenblick im Leben des Kindes bildet die erste Haarschur, die etwa im Alter von drei Monaten stattfindet und zu einem großen Fest sich gestaltet; zu ihr finden sich auch entfernt lebende Familienmitglieder ein. Bei der Auswahl des Haarschneiders muß man achtgeben, daß sein Vater noch lebt, denn sonst würden die Eltern selbst sterben und ihr Kind als Waise zurücklassen. Man beginnt auf der linken Seite und entfernt hier mit einer Schere das „böse Haarbüschel“ über dem linken Ohr, das man sofort mit der dazu gebrauchten Schere wegwirft. Darauf wird die rechte Kopfseite vorgenommen und das über dem rechten Ohr stehende „gute Haarbüschel“ abgeschnitten, aber nicht fortgeworfen, sondern in einer Reisschwinge mit Fleischstückchen aus dem Höcker des Zebuochsen und Knollen von Arum esculentum zu einem Talisman für glückliche Geburten gemischt, den man unter die gierig danach haschenden Festgenossen wirft.

Wenn die Knaben das erste Lebensjahr zurückgelegt haben, wird an ihnen die Beschneidung vorgenommen. Dieser Vorgang bietet Anlaß zu einer mehr oder minder großen Feier mit mancherlei Zeremonien, die früher recht umfangreich waren. Wichtig ist dabei, daß sowohl die Eltern als auch Paten und Patinnen während der dem Akte vorausgehenden Woche vom Bett getrennt schlafen müssen. Jetzt sind die Zeremonien bereits sehr vereinfacht worden. Am Abend vorher wird ein Bananenbaum unter Begleitung der Menge, die mit der rechten Hand ihre Lambas schwenkt, tanzt und singt, eingeholt, in Mannshöhe abgeschnitten und in der nordöstlichen Ecke der Hütte in den Boden gesteckt; auf seine abgeschnittene Spitze wird ein irdener Napf mit einem aus Kuhmist durch Kneten hergestellten Docht und Unschlitt gesetzt, worauf man diese Lampe anzündet. Sie muß bis zum nächsten Morgen brennen und darf nur von männlichen Wesen bedient werden; falls eine Frau dies besorgte, würde der Knabe kein „Mann“ werden. Während der Nacht wird der Segen über das Kind gesprochen. Man stellt zu diesem Zweck eine flache Holzschüssel mit Wasser auf, in die silberne Ketten gelegt werden. Drei Männer müssen nun mit einem Rohrstengel diese Ketten zehnmal hintereinander herausholen und dabei dem Kinde viel Geld und Reichtümer wünschen. Beim ersten Hahnenschrei befestigt einer der versammelten Männer einen Pflanzenstengel (Hundezahn oder Quecke) an einer Flasche oder an einer Kalabasse, worauf die kräftigsten und mutigsten Männer ausgesandt werden, um in diesem Gefäß „kräftiges“ Wasser zu holen, das zum Auswaschen der Wunde bei der Beschneidung gebraucht wird. Der Operateur, der bereits am Abend vorher eingetroffen ist und die Nacht in einer Hütte zubrachte, worin sich kein weibliches Wesen aufhalten durfte, nimmt an dem Kinde mittels eines kleinen Messers die Beschneidung vor. Ein Assistent wartet den Augenblick ab, wo die Wunde zu bluten anfängt, schwingt hierauf seine Lanze und schlägt damit die Türschwelle, wobei er wünscht, daß der Knabe ein „Muster von Schönheit und Güte“ werden möge. Die abgeschnittene Vorhaut muß der Vater in Stückchen zerschnitten mit einer Banane verzehren. Bei den Sakalaven wird sie in eine Flinte geladen oder auf die Spitze einer Lanze gesteckt und diese über das väterliche Haus geschleudert; stellt sich der Speer senkrecht zur Erde, dann erblickt man darin ein Anzeichen dafür, daß der Knabe mutig werden wird. Bei den Bara werfen die Väter die Vorhaut in den nächsten Fluß. — Bei den Antankarana wird die Beschneidung in etwas abweichender Weise vorgenommen. Es geht dem eigentlichen Akte ein reichliches Essen und Trinken der Verwandten und Gäste voraus. Darauf wird ein Ochse gefesselt und zu Boden geworfen, den Kopf nach Osten gerichtet. Der Familienälteste begießt mit einem Topf Wasser das Tier vom Kopf bis zu den Füßen, stellt sich mit einem Stäbchen in der Hand hinter dasselbe, klopft ihm viermal auf die Rippen und fleht dabei Gesundheit, Reichtum und sonstiges Gute auf die Kinder herab. Darauf wird der Ochse durch Zerschneiden der Halsschlagader getötet und sein Fleisch gegessen; seine Hörner aber werden mit einem Stück Schädeldecke auf eine lange spitze Stange gesteckt und mitten im Dorfe aufgestellt. Die Beschneidung wird an den Knaben einzeln in einem dicht geschlossenen Zelte vorgenommen, die abgeschnittene Vorhaut auch hier von den Verwandten in eine Flinte geladen und unter Jubel in die Luft oder gegen die Ochsenhörner geschossen. Essen, Trinken und Tanz beschließen das Fest.