zu dem jedes Haus, in das während des vergangenen Jahres ein männlicher Weltbürger Einzug hielt, durch bunt bemalte Karpfen aus Papier geschmückt ist.

Bis in den Anfang des vorigen Jahrhunderts waren unter den Geschenken, die man der jungen Frau darbrachte, gewisse Bilderbücher sehr beliebt, die voll köstlichen Witzes in Karikaturen Beischlafszenen in phantastischer Mannigfaltigkeit den Frauen zur Veranschaulichung bringen, sie also darüber belehren sollten, was sie in der Ehe zu leisten hätten, und die oft von namhaften Künstlern angefertigt waren, ebenso die sogenannten Frühlingstäfelchen, Kästchen von der Form unserer Tuschkästen, deren Schubdeckel oben ein Bild zeigte, das ein männliches und ein weibliches Wesen in anständiger Unterhaltung darstellte, auf der Unterseite aber in farbiger Reliefdarstellung eine Beischlafszene in komischer Stellung darbot. Für unsere Moralauffassung erscheinen solche Dinge in hohem Grade unanständig und unverständlich, zumal man sie jungen Frauen darbrachte; der Japaner indessen findet daran absolut nichts Anstößiges. Für ihn gilt das alte Sprichwort, daß das Natürliche nichts Schimpfliches ist. Er erblickt in dem nackten Körper daher etwas ganz Natürliches, Selbstverständliches, sofern die Nacktheit im gegebenen Falle berechtigt ist. Er entledigt sich daher zu Hause möglichst aller ihn beengenden Kleidungsstücke und entblößt sich auch in der Öffentlichkeit, wenn ihn die Kleider am Arbeiten hindern. Er findet es auch keineswegs anstößig, daß beide Geschlechter zusammen baden, und ebenso ist für ihn der Geschlechtsakt etwas ganz Natürliches und das Preisgeben eines Mädchens nichts Entehrendes, wenn den Grund dazu die Unterstützung armer Eltern abgibt.

Phot. Yei Ozaki.

Abb. 40. Japanisches Puppenfest.

Ganz zu oberst finden sich der Kaiser und die Kaiserin mit Opfergaben in Wein und süßen Kuchen aufgestellt, darunter die Minister, Hofmusikanten, Palastdamen und Palastwächter. Ganz unten stehen schöne Miniaturgegenstände für den Puppenhaushalt.


GRÖSSERES BILD

Phot. Yei Ozaki.

Abb. 41. Ein Hochzeitsbrauch bei den Japanern.