Abb. 473. Masaikrieger.

Ihre Bewaffnung besteht aus Speer, Schild, Bogen und Pfeilen, ferner aus einer Keule und einem Schwert.

Nach einem Begräbnis oder wenigstens nach Ablauf der Trauer pflegt man einen großen Tanz und ein Biergelage abzuhalten. Die Madi markieren oft einen Kampf; ein jeder gerät in große Aufregung, und es ist daher nichts Ungewöhnliches, daß Männer bei Begräbnissen getötet oder zum mindesten schwer verletzt werden. Bei den Manyema ertönt nach Eintritt eines Todesfalls ein Signal, auf das hin die Freunde und Verwandten sehr zahlreich zusammenströmen und die Leiche hinwegbringen. Sie kochen sie darauf und essen sie zu Hause. Nahe Angehörige wie die Eltern essen nicht von dem Fleische, wohnen auch nicht der Beerdigung bei. — Der Sohn eines Baziba trägt um den Hals ein Band, an dem zwei Stückchen Holz befestigt sind, die Vater und Mutter vorstellen; stirbt eines von ihnen, dann wird das betreffende Hölzchen weggeworfen.

Die Witwen des Verstorbenen gehen häufig auf den ältesten Sohn oder Bruder über; jedoch haben die verschiedenen Stämme vielfach besondere Sitten. In der Regel dürfen die Witwen erst nach Ablauf einer bestimmten Trauerzeit wieder heiraten, und auch dann nur mit Zustimmung ihres Vormundes. Bei den Suaheli ist die Witwe gezwungen, drei Monate lang sich zurückzuziehen; sie darf während dieser Zeit nicht ausgehen, wohl aber Besuche ihrer Angehörigen empfangen.

Aus: R. E. Drake-Brockman, Britisch-Somaliland.

Abb. 474. Somalkrieger.

Nordostafrika.

Nordostafrika läßt sich geographisch, das heißt seinem landschaftlichen Charakter nach, in zwei große Gebiete gliedern: in das Hochland und in die Ebene. Das erstere, eine Anzahl größerer und kleinerer Tafelländer und Tafelberge mit zahlreichen Bergzacken und turmartigen Erhebungen, bildet nicht nur im geographischen, sondern auch im politischen Sinne eine Einheit, das Kaiserreich Abessinien, das bereits auf ein hohes Alter zurückblicken kann. Es wurde schon im vierten Jahrhundert die Wiege des Christentums im Herzen Afrikas. Leider ist sein alter Ruhm mehr und mehr verblaßt, und jetzt ist Abessinien nur noch die Karikatur eines Staatswesens. Südlich von diesem Hochland breitet sich die große öde und unwirtliche ostafrikanische Steppe aus, ein gleichförmiges Landschaftsbild, das sich weit nach Süden nach dem eigentlichen Ostafrika hinein erstreckt. Die das afrikanische Osthorn begrenzenden Gebiete führen die Bezeichnung Somalland.

Die für Nordostafrika in Betracht kommenden wichtigsten Völker sind ganz im Osten, am Golf von Aden und Indischen Ozean, die Somal, nördlich von ihnen an der Küste des Roten Meeres die ihnen stammverwandten Danakil oder Afar, auf der abessinischen Hochebene die Stämme der Abessinier und im Süden von ihnen, also im Südwesten, die Galla; ihnen schließen sich die uns schon bekannten Masai an. Alle diese Völker, ebenso die nördlich von ihnen wohnenden Nubier und Ägypter bezeichnet man als östliche Hamiten, die nordostafrikanischen im besonderen als Äthiopier. Sie unterscheiden sich deutlich von den Negern Afrikas; ob sie, wie vielfach behauptet wird, direkt aus Stämmen hervorgegangen sind, die aus Asien herüberkamen, oder durch Aufpfropfung solcher Einwanderer auf bereits ansässige Negervölker entstanden sind, bleibt noch zu entscheiden. Abgesehen hiervon sind die Hamiten heutigestags nicht das einzige anthropologische Element der nordostafrikanischen Völker, sondern gleichsam nur die Unterschicht, zu der viel semitisches (arabisches) Blut hinzugekommen ist. Besonders die Somal haben solches in starkem Maße aufgenommen, weniger schon die Danakil, und am reinsten dürften die Galla den ursprünglichen Typus bewahrt haben. Noch bunter aber ist die Mischung in Abessinien; hier haben sich Ägypter, Griechen, Juden, Portugiesen, Inder, Araber und Neger zu einem wirklichen Völkerchaos zusammengeschlossen, den Kern des abessinischen Volkes aber bilden Semiten. Der eigentliche östliche Hamitentypus ist gekennzeichnet durch eine ziemlich hohe, grazile Gestalt (im Mittel hundertsiebenundsechzig Zentimeter), langen, schmalen Schädel, langes, ovales Gesicht mit feiner, gerader oder leicht gebogener, hervortretender Nase, schlanke Gliedmaßen, eine braunrötliche bis schokoladefarbige Haut, dunkle Augen und schwarzes, bald mehr lockiges, bald mehr wolliges Haar.