Phot. S. L. Hinde.

Abb. 471. Tanz der Kikuyujünglinge.

Nach eingetretenem Tode ist es üblich, den Körper zu waschen, was für gewöhnlich die Ehefrauen des Verstorbenen oder die sonstigen Weiber des Haushalts besorgen. Die Suaheli legen die Leiche auf eine Bettstelle inmitten der Hütte und graben in den Boden darunter ein Loch, in welches das zum Waschen verwendete Wasser abläuft. Darauf wird die Leiche in ein großes Tuch aus Glanzkattun (Bafuta) gehüllt und auf einer Bahre zum Grabe getragen; hier begräbt man sie nach mohammedanischem Ritus. In Uganda berief früher beim Tode eines Kabaka oder Fürsten der erste Minister die Prinzen und fragte ihren Vormund, wer sich wohl von ihnen am besten zur Nachfolge eignen dürfte, worauf dieser einen berührte. Dieser wurde nun Kabaka und erhielt eine Rolle Rindentuch, in das er seinen verstorbenen Vater einzuhüllen hatte. Jetzt wählt der Rat der Eingeborenen, der Lukiku, ihren neuen Fürsten. Ein gewöhnlicher Untertan wurde einfach begraben, die Leiche eines Fürsten aber brachte man an einen besonderen Platz und legte sie hier auf eine erhöhte Plattform. Dann wurde der Unterkiefer abgeschnitten, in eine Holzschüssel getan und, mit Kaurimuscheln verziert, in einer eigenen, dicht bei dem Grabe erbauten Hütte untergebracht. Um die Leiche wurde hierauf ein großes Grabmal oder eine Hütte erbaut und deren Tür für immer verschlossen. Früher pflegte man noch Menschenopfer zu Hunderten darzubringen, deren Überreste vor der Tür der Hütte den Geiern zum Fraß überlassen wurden. Die ganze Stätte wurde schließlich mit einer Umfriedigung eingeschlossen, innerhalb deren noch Hütten für die Wächter und die Frauen des toten Königs errichtet wurden; ihre Pflicht war es, das Grab bis zu ihrem Lebensende zu bewachen; sodann traten andere Personen an ihre Stelle.

Aus: Weiß, Völkerstämme Ostafrikas.

Abb. 472. Schmuck, Topf und Besen beschnittener Bakuliamädchen.

Die Banyoro entsetzen sich davor, in der Nacht zu sterben, da zu dieser Zeit die Geister sie holen könnten. Um dieser Gefahr vorzubeugen, soll es vorkommen, daß man sehr kranke Menschen manchmal lebendigen Leibes schon am Tage begräbt, sofern zu befürchten steht, daß es nachts doch mit ihnen zu Ende gehen werde. Die Leiche wird in Rindentuch oder bei großer Armut in Gras eingewickelt und in der Nähe der Hütte begraben. Einen Häuptling pflegt man mit an den Körper herangezogenen Beinen und unter den Kopf gelegten Händen in die Haut einer frisch geschlachteten Kuh zu nähen, ihn auf die linke Seite zu legen und so ins Grab zu senken, worauf man Rindenstoff hineinwirft und das Grab zuschaufelt. Der Mukuma oder König wurde in derselben Weise gewickelt und dann mit neun lebenden Männern in ein großes Grab gelegt; dieses aber wurde nicht zugeschüttet, sondern über seiner Öffnung eine Haut fest mit Pflöcken befestigt und eine Hütte oder ein Grabmal darüber errichtet. In dieser Hütte mußten der Oberbefehlshaber und die Diener des Königs das Grab bewachen. — Die Masai, Suk und Turkena erheben bei eingetretenem Todesfall ein Wehklagen und tragen die Leiche darauf in den Busch, wo sie sie einfach mit dem Gesicht gegen Westen, damit sie den Neumond sehe, hinlegen, zur Freude der Geier und Hyänen. Die Nandi, Kikuyu und Lumbwa begraben ebenfalls ihre Häuptlinge, während sie im übrigen die Leichen im Busch liegen lassen. Die Kamasia legen für ihre Häuptlinge im Viehkral das Grab an und pflanzen Sträucher darauf, alle anderen Leichen aber bringen sie in den Busch und legen Felle darüber. Die Kavirondo und Baziba begraben einen Häuptling in sitzender Stellung in seiner Hütte, lassen den Kopf aber aus der Erde heraussehen. Bei ersteren müssen die Frauen in der Hütte bleiben, bis das Fleisch vom Kopfe abfault, dann wird auch dieser begraben. Bei letzteren übernimmt ein bestimmter Wächter diese Pflicht. Nach zwei Monaten wird auch hier der Kopf unter die Erde geschoben und darauf ein neuer Häuptling gewählt. Die Wahima brechen ihren Toten, wenn sie erkaltet sind, die Gelenke und den Hals, wickeln sie in eine Matte und begraben sie unter einem Dunghaufen im Viehkral. Nach seinem Tode wird der Name des Verstorbenen nie mehr genannt; war sein Name etwa auch die Bezeichnung für irgendeinen Gegenstand, so verschwindet dieses Wort aus der Sprache, und ein neues wird für den betreffenden Gegenstand geschaffen. Ähnlich verfahren die Masai, die niemals mehr den Namen eines Verstorbenen in den Mund nehmen.

Phot. A. C. Hollis.