Die Häuser werden aus Holz gebaut und mit Häuten bedeckt. Das Vieh wird in Hürden gehalten, die man zum Schutz gegen Löwen und Hyänen aus dickem Dornbusch herstellt.

Die Abessinier sind sehr intelligent und besonders schlau im Abschließen von Geschäften, aber sehr faul und schmutzig. Daher besitzen sie auch beinahe mehr Feier- als Arbeitstage. In jedem Monat feiern sie als Hauptfeste die vier Sonnabende und Sonntage, den Sankt-Michael-, Sankt-Gabriel-, Sankt-Miriam- und Sankt-Georg-Tag am 12., 19., 21. und 23., sowie Christi Geburt am 28. jedes Monats. Dazu kommen noch als wichtige Feiertage Ostern, Weihnachten, Neujahr (im September) und kurz danach Mascal zur Erinnerung an die Entdeckung des Kreuzes ([Abb. 487]). Die Festlichkeiten pflegen länger als drei Tage zu dauern. Die Priester, die in bunte Gewänder gekleidet und mit Kreuzen aus Silber, Gold oder Messing, mit Weihrauchfäßchen, Kronen, Bildern der Jungfrau Maria mit ihrem Kinde und seidenen Sonnenschirmen mit aufgezeichnetem Kreuz einhergehen, führen bei diesen Gelegenheiten Tänze auf; viele dieser Tänze blicken auf ein hohes Alter zurück und sollen auf den Tanz Bezug nehmen, den König David vor der Bundeslade aufführte. Bei all dieser Lustigkeit vergessen die Abessinier jedoch auch nicht das Fasten, sie beobachten im Gegenteil häufig und streng die ihnen durch die Religion vorgeschriebene Enthaltsamkeit. So fasten sie an jedem Mittwoch und Freitag sowie während der Monate März und April; auch die Regenzeit um den August herum ist für sie eine besondere Zeit des Fastens und des Gebets.

Phot. George Schulein.

Abb. 479. Abessinier.

Sie tragen über den Hosen ein weißes Hemd, ferner ein Umschlagetuch, das in malerischen Falten über die Schultern gelegt wird.

Wie die meisten Naturvölker finden auch die Somal an Tanz (siehe die [farbige Kunstbeilage]) und Gesang große Freude. Der Somal komponiert sich sein Lied vielfach selbst, unterwegs beim Wandern; sein Inhalt erhebt sich aber meistens kaum über eine öde Schmeichelei auf diejenige Persönlichkeit, der zu Ehren es verfaßt ist. Findet der Sänger, daß sein Werk bei seinen Freunden anspricht, dann lernt er es auswendig und lehrt es oft noch andere; auf diese Weise überliefern sich manche Lieder mehrere Menschenalter hindurch. — Wird unter den Somal ein neuer Sultan gewählt, dann findet für gewöhnlich ein Dibaltig statt. Es ist dies sozusagen ein Reiterschaustück. Jedes Stammesmitglied, das ein Pferd zur Verfügung hat oder es sich borgen kann, beteiligt sich daran. Zuerst wird ein Sänger erwählt, der ein Lied, Gerar genannt ([Abb. 484]), komponieren muß, und zwar tut er dies meistens sogleich an Ort und Stelle. Es besteht auch wieder aus widerlichen Schmeicheleien auf den Sultan. Alle Reiter stellen sich bei seinem Vortrage in Reih und Glied auf, der Sänger vor ihnen in der Mitte; darauf läßt er mit erhobenem Speer seine Weise erklingen, setzt seinen Pony in Bewegung und trabt auf den neuen Sultan zu ([Abb. 485]). Die übrigen folgen ihm, anfänglich langsam, dann aber schneller werdend, alle mit hochgehobenen Speeren und Schilden, und bringen ihre Pferde nach gestrecktem Galopp unmittelbar vor ihrem neuen Herrscher zum Stehen. — Die Galla sind gleichfalls dem Tanze sehr zugetan ([Abb. 490]).

Phot. George Schulein.

Abb. 480. Abessinische Priester.