Ihren Oberpriester, den Abuna, ernennt der Patriarch zu Alexandria. Sie dürfen nur einmal im Leben heiraten.
Aus: R. E. Drake-Brockman, Britisch-Somaliland.
Abb. 481. Somalknaben mit Milchgefäßen aus Fellen.
Ihre Kleidung besteht aus einem weißen oder bunten Hemd, über dem die „Tobe“, ein togaähnlicher Überwurf, getragen wird.
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GRÖSSERES BILD
Die Galla feiern alle Jahre das Fest der Maisernte, Yarabbi genannt; an ihm dürfen nur Frauen teilnehmen, Männern ist es nur gestattet, in beschränkter Anzahl aus der Entfernung zuzusehen. Die feierliche Handlung spielt sich zunächst um eine heilige Sykomore ab. Hier erwartet eine greise Priesterin auf einem dreistufigen Schemel sitzend die Ankömmlinge; sie hält einen langen Stab in der Rechten und trägt als einziges Abzeichen ihrer Würde einen breiten, langen, mit Muschelscheiben geschmückten Lederriemen um das rechte Handgelenk. Die Frauen erscheinen alle ebenfalls mit einem langen Stecken, den sie gegen den Baum lehnen, mit einer Handvoll Grünzeug und mit Maisbroten, die sie ablegen. Alle tragen auf dem Kopfe entweder einen Zweig mit wohlriechenden Blättern beziehungsweise Blumen oder einen elfenbeinernen Kamm. Sobald sich ihrer etwa fünfzig eingefunden haben, pflücken sie von den benachbarten Sträuchern Blätter ab; dann lassen sie sich in Gruppen von je etwa fünfzehn auf die Knie nieder inmitten zweier großen Haufen Grünes, die mit ihrer gewölbten Seite einander zugekehrt aufgeschichtet sind. Jede von ihnen legt den linken Arm um die Hüften ihrer Nachbarin und schlägt mit der Rechten unter Hervorstoßen eintöniger Laute, die später einem Grunzen gleichkommen, taktmäßig auf die vor ihr liegenden Blätterhaufen, wobei sie den Kopf gleichfalls im Takt nach hinten wirft. Diese Bewegungen werden immer wilder und arten schließlich in ein wirkliches Verzücktsein aus. Wenn dieses ein paar Minuten angehalten hat, verstummt der Lärm plötzlich. Die Frauen erheben sich und machen neuen Ankömmlingen Platz, die dieselbe Handlung vornehmen; der Vorgang wiederholt sich etwa fünf- bis sechsmal. Darauf ergreifen die Weiber ihre Stäbe und gehen langsam unter eintönigem Gesang etwa hundert Meter den Weg, den sie gekommen sind, zurück, wobei sie auf der Stelle hüpfen und zugleich Hände voll Kräuter pflücken, die sie zu einer Garbe zusammenraffen. Sodann hocken alle in langer Reihe eine nach der anderen nieder und halten ihre Stäbe mit den Bündeln wagrecht über die Köpfe, dabei murmeln sie wieder unverständliche Worte. Sobald sie sich erhoben haben, stellen sie alle ihre Stäbe zu einem Haufen zusammen und strecken gegen diesen die Hände mit Grünzeugbündeln aus. Schließlich kehrt die Gesellschaft wieder zum heiligen Baume zurück, hüpfend und singend, wie sie gekommen war. Mittlerweile sind die hier zurückgebliebenen Frauen nicht untätig gewesen; die eine von ihnen hat in einem aus Ton gefertigten Napfe Kaffeebohnen mit Butter und Salz geröstet, während vier andere den Gesang um die Kräuterhaufen fortgesetzt haben. Die Zurückgebliebenen erheben sich jetzt und gehen den unter Führung ihrer Priesterin Zurückkehrenden gleichfalls unter Hüpfen mit Grasbüscheln in den Händen entgegen. Nun umarmen sich alle und begeben sich gemeinsam zum Baum, der von dem ganzen Zug noch einmal umgangen wird. Dann legen die Frauen ihre Bündel am Fuße des Baumes nieder, umstellen ihn im Kreise und sagen dabei mit tiefer Stimme allerlei Sprüche auf. Damit schließt die eigentliche Feier. Es werden nun noch die mitgebrachten Maisbrote am Baume niedergelegt, auf die sich die abseits lauernden Kinder auf ein verabredetes Zeichen stürzen und um die sie sich balgen, um möglichst viele in ihren Fellsäcken verschwinden zu lassen.
Phot. Exclusive News Agency.
Abb. 482. Gallafrau.