Phot. George Schulein.
Abb. 492. Knabe mit einem Amulett um den Hals,
in das die Priester, die zugleich Heilkundige sind, bestimmte Mittel hineinzutun pflegen.
Wie schon gelegentlich erwähnt, bekennt sich ein Teil der Abessinier zum Mohammedanismus; auch die Somal und zum größten Teil die Galla sind Anhänger dieser Glaubenslehre; aber obwohl sie diese streng befolgen, oft in dem Maße, daß sich ihre Anbetung zur wahren Ekstase steigert, lassen sie sich auf der anderen Seite doch nicht daran hindern, an manchen abergläubischen Vorstellungen festzuhalten. Ein Teil der Galla ist noch vollständig im Heidentum befangen.
Über besondere Bräuche bei Schwangeren und Gebärenden unter den Abessiniern ist meines Wissens nichts bekannt geworden; sie werden sich wohl im großen und ganzen nach den Riten der christlichen und mohammedanischen Kirche richten. Nur soll es während der Niederkunft einer Abessinierin sehr laut zugehen; die Personen, die sie umgeben, erheben fortwährend ein lautes Geschrei, wohl ein Überbleibsel der alten Sitte, die Dämonen dadurch zu vertreiben. Will die Geburt nicht recht vonstatten gehen, dann zieht sich der Ehegatte die Sandalen aus, umschreitet barfuß das Haus und teilt mit der flachen Klinge seines Schwertes auf dessen Außenwände Schläge aus, während drinnen die helfenden Frauen heiße Gebete an die Jungfrau Maria, die Beschützerin aller Gebärenden, richten.
Phot. George Schulein.
Abb. 493. Abzeichen eines abessinischen Priesters.
1. Krückstöcke. 2. Klapper. 3. Wedel mit Elfenbein- oder Holzgriff. 4. Krone.