Phot. Yei Ozaki.

Abb. 44. Eine Hochzeit der Mittelklasse in Japan.

Die Braut trägt eine weiße Kopfbedeckung während der „Drei-drei-neunmal“-Zeremonie.

Phot. Yei Ozaki.

Abb. 45. Bevor die Braut den Eltern Lebewohl sagt,

überreicht ihr der Vater ein kurzes Schwert.

Das Bordellviertel von Tokio hat eine gewisse Berühmtheit erlangt; es ist dies das Yoshiwara. Das Zugangstor zu ihm trägt die poetische Inschrift: „Ein Frühlingstraum, wenn die Straßen voll von Kirschblüten sind, eine Herbststimmung, wenn die Straßen auf beiden Seiten mit hellen Laternen umsäumt sind.“ Das Yoshiwara ([Abb. 49]) ist durch regelmäßig verlaufende Straßen eingeteilt, in denen es des Abends ein wirkliches Schauspiel gewährt, umherzuwandern. Geschmückt mit farbenprächtigen Gewändern sitzen die Mädchen in Reihen vor goldenen Schirmen in käfigartigen Räumen — denn von der Außenwelt sind sie durch wirkliche Holzstäbe abgesperrt — und stellen sich zur Schau ([Abb. 50]). Die Prostituierten kennzeichnen sich durch zahlreiche Nadeln, die sie im Kopfhaar tragen; auch pflegen sie sich als Abzeichen ihres Gewerbes die Schleife des Obi, die sonst über dem Gesäß sitzt, nach vorn zu drehen, so daß sie über den Schoß zu liegen kommt. In größeren Städten sind an den Häusern Laternen ausgehängt, die mit dem Wappen des betreffenden Mädchens geschmückt sind. Es gibt sogar Bücher, in denen sich Laternen und Wappen, sowie der Schirm, der vornehmen Prostituierten auf ihren Ausgängen vorangetragen wird, nach Art eines Verzeichnisses aufgeführt finden. Künstler von Bedeutung wie Yoshitoshi oder Kitagawa Utamaro haben es nicht für unter ihrer Würde erachtet, Darstellungen aus dem Leben des Yoshiwara mit ihrem Stifte wiederzugeben, und japanische Bücher bringen die Lebensbeschreibungen einiger berühmter Prostituierter sowie ihre Porträts ([Abb. 51]). — Da das ganze Yoshiwaraviertel besonderer polizeilicher Aufsicht unterstellt ist, so herrscht hier vollkommene Ordnung, musterhafte Ruhe und absolute Sicherheit; die öffentliche Scham wird durch das sich hier abspielende Treiben keineswegs verletzt. — Die gleichgeschlechtliche Liebe unter Männern hat in Japan, besonders in seinen südlichen Teilen, weite Kreise des Volkes durchseucht; hier werden ebenso wie in China Knaben von frühester Jugend auf zu einem solchen Berufe systematisch vorbereitet. Auch Bordellwesen existiert nach dieser Richtung.