Abb. 504. Algerische Reiter.


GRÖSSERES BILD

Ein seltsamer Brauch, der wahrscheinlich auf ein hohes Alter zurückblickt, wurde bis vor kurzem alljährlich in Kairo geübt, das „Durchschneiden des Khalîg“. Der Khalîg war ein Kanal, der vordem durch die Stadt führte, jetzt aber zugeschüttet und in eine Straße umgewandelt worden ist. Zur Zeit des Tiefwasserstandes des Nils wurde der Eingang dieses Kanals durch einen Deich abgedämmt, der dann, wenn der Nil anstieg, jedes Jahr feierlich durchbrochen wurde, um die Fluten des Stromes in ihn hineinzulassen. Dabei wurde ein kleines Schiff, das mit kleinen Geschützen ausgerüstet und an seinen Masten und Rahen mit bunten Wimpeln geschmückt war, in feierlichem Zuge unter lautem Tamtamschlag und Geschützdonner zum Kanaleingang geschleppt und hierauf der Deichdurchstich mit großer Festlichkeit vorgenommen.

Phot. H. S. W. Edwardes.

Abb. 505. Ein Reitersmann der Tuareg auf der Reise vor der Stadt Blida.

Ein Reisender läßt sich niemals unverschleiert sehen. Das Pferd ist mit Amuletten behängt.

Eine bei allen Festlichkeiten stets wiederkehrende Erscheinung sind Kampfspiele mit kurzen schweren Stöcken oder mit einschneidigen Schwertern, in deren Handhabung die Ägypter sehr gewandt sind. Diese Spiele werden nach ganz bestimmten Regeln gehandhabt, um zu verhindern, daß sie etwa in einen richtigen Kampf ausarten. Die Dorfbewohner bilden einen Ring, und zwei von ihnen nehmen in der Mitte mit gekreuzten Beinen auf der Erde Platz. In dieser Stellung fangen sie mit Stöcken ihr Gefecht an, zugleich müssen sie sich bemühen, sich allmählich auf die Füße zu stellen, ohne mit den Händen nachzuhelfen. Das Spiel wird nach und nach immer schneller und wilder, harte Schläge dürfen aber nicht ausgeteilt werden. Wird der Kopf des Gegners getroffen, so gilt dieser für besiegt, und ein neuer Kämpe tritt aus dem Kreis hervor, um sich mit dem Sieger zu messen. Waffentänze kommen nur bei den Wüstenstämmen Oberägyptens vor. Die geschilderten Spiele werden meistens in der Nähe einer Moschee, am Grabe eines Heiligen oder an irgendeiner geweihten Stätte abgehalten, die oft durch einen heiligen Stein oder Baum gekennzeichnet ist. An einem solchen heiligen Platze in der Nähe von El Kab in Oberägypten lassen die Gläubigen winzige Teile ihrer Speise oder ihrer Gewänder als Opfergabe in Tonkisten zurück.

Phot. Em. Frechon, Biskra.