Abb. 506. Algerische Frauen auf der Reise.
Auf jeder Seite des Kamelrückens sitzt eine Frau in einem käfigartigen Gestell, das ziemlich unbequem und heiß ist.
Ägypten ist von jeher das Land der Tänzerinnen gewesen. Die berühmtesten von ihnen gehören einem besonderen Stamme an und heißen Ghawazu. Sie führen ihre Tänze unter Begleitung eines zither- oder violinenähnlichen Musikinstruments sowie einer Rohrpfeife auf und begleiten sich daneben noch selbst mit Kastagnetten. Diese Tänze bestehen in schreitenden und drehenden Bewegungen und vor allem in einem Zittern der Muskeln der leicht verschleierten Hüftgegend, in dessen Ausführung die Ghawazu eine unbegreifliche Geschmeidigkeit und Fertigkeit bekunden, und arten öfters in ein ziemlich laszives Schauspiel aus, das die männlichen Zuschauer sinnlich erregen soll, wozu noch feuriger Augenaufschlag, herausforderndes Lächeln und andere pantomimische Liebeserklärungen beitragen. Diese Vorstellungen finden auf offener Straße, in Höfen, in Kaffeehäusern sowie in den Haremen (gelegentlich gewisser Festlichkeiten, wie Hochzeit, Geburt und so weiter) statt; je nach dem Stande der Zuschauer sind die Tänzerinnen mehr oder weniger bekleidet und ihre Darbietungen freier. Besonders schlüpfrig fallen sie vor Männergesellschaften aus. Ganz besonders gilt dies von dem für Ägypten geradezu spezifischen Bauchtanz ([Abb. 498]). Eigentlich ist diese Bezeichnung irreführend, denn es handelt sich hier nicht nur um Bewegungen des Bauches, wenngleich dieser in erster Linie daran beteiligt ist, sondern um solche des ganzen Oberkörpers; die Beine bleiben dabei ruhig oder bewegen sich nur wenig. Das Bezeichnende für ihn sind die Leidenschaft und die Wollust, die in den Bewegungen zum Ausdruck kommen.
Naturaufnahme von Dr. G. Buschan.
Abb. 507. Tunesische Jüdin.
Phot. A. J. N. Tremearne.
Abb. 508. Geisterkultus bei den Negern Nordafrikas.
Eine schwarze Ziege wird beräuchert, in besonderer Weise gefüttert und hierauf den Geistern geopfert.