Im wesentlichen sind sie Jäger und vor allem Fischer; Ackerbau erlaubt das kalte Klima ihnen kaum. Sie graben sich auch Wurzeln mittels Grabstöcken aus. Auf der See bedienen sie sich zum Fange der Harpunen ([Abb. 56]); früher betrieben sie die Jagd mittels (mit Akonit) vergifteter Pfeile. Ihr einziges Haustier ist der Hund, der ihnen ihre Schlitten zieht ([Abb. 57]). — Sie wohnen in Holzhütten mit Binsenbedeckung ([Abb. 60] bis [62]), die teils direkt auf dem Boden, teils auf Gerüsten stehen, teilweise auch in Erdwohnungen.

Die Kleidung der Ainu besteht aus Fellen und Stoffen aus Ulmenbast ([Abb. 58]); beide Geschlechter tragen enge Beinkleider, Jacke, langen Rock und Schuhe, dazu Schmuck in Gestalt von großen Ohrringen aus bunten Stoffstreifen oder Metall, silbernen Halsbändern und Kopfbinden. Ganz eigenartig ist die Tatauierung der Frauen, künstlerisch verschlungene Linien auf Armen und Händen sowie schnurrbartähnliche Muster an der Ober- und Unterlippe, wodurch sie ein ganz männliches Aussehen bekommen ([Abb. 62]). Bereits im siebenten Lebensjahre beginnt man bei den kleinen Mädchen an der Oberlippe damit und fügt alljährlich ein Stück des blauschwarzen „Schnurrbartes“ mehr hinzu, so daß mit etwa zwanzig Jahren die Tatauierung vollendet ist.

Phot. Clark & Hyde.

Abb. 54. Leichenbegängnis an einem buddhistischen Tempel.

Die Buddhisten glauben, daß der Geist des Toten neunundvierzig Tage in der Nähe seines alten Heims umherirrt; strenge Trauer wird während dieser Zeit beobachtet. Am neunundvierzigsten Tage wird ein Tempeldienst abgehalten und am hundertundersten Tage nach dem Tode ein Erinnerungsfest gefeiert.

Die Ainu leben in kleinen Horden in Dörfern unter einer Art Häuptlingen, die bei festlichen Gelegenheiten eine mit einem roh aus Holz geschnitzten Bärenkopfe geschmückte Krone aus Weidenholzspänen und Seegras, ein besonderes Kleid aus bunten Stoffstreifen und ein großes Schwert tragen.

Die Ainu sind ihrer religiösen Anschauung nach reine Animisten; sie halten die ganze lebende und tote Natur von Geistern und Göttern belebt, beten diese an und huldigen ihnen durch Opfer, im besonderen durch Darbringen von Reiswein. Ihre Hauptgottheit ist heutzutage (wohl von Japan aus eingeführt) der Gott der Sonne; dieser gebietet allen übrigen Gottheiten. Außer diesem hohen Gott gibt es noch eine ganze Reihe Götter zweiten Grades, die zahllosen Geister, die in dem Feuer, den Bergen, Flüssen, Tälern, Wäldern, selbst in den Tieren (Walfisch, Seebär, Walroß, Otter und vor allem dem Bären) leben oder die Seelen der Vorfahren vorstellen und insgesamt unter der Bezeichnung der Kamui zusammengefaßt werden. Alle diese Geister sind ihnen gutgesinnt und fördern ihr Wohlbefinden. Daneben aber kennen die Ainu auch solche Wesen, die sich angelegen sein lassen, sie zu schädigen, ihnen Unglück und besonders Krankheit und Tod zu bringen; diese verehren sie nicht, sie beten sie ebensowenig an oder opfern ihnen, sondern bekämpfen sie nur; den Kampf übernehmen die Schamanen.

Abb. 55. Ein Shintoleichenbegängnis.