Abb. 80. Eine indische Bajadere,
auch Nautschmädchen genannt. Diese Mädchen werden zum Dienst in den Hindutempeln auf Ceylon sowohl wie im übrigen Indien gedungen; sie führen gelegentlich ihre Tänze, die hauptsächlich in verschiedenen Stellungen des Körpers bestehen, auch bei privaten Festlichkeiten auf.
⇒
GRÖSSERES BILD
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 81. Anbetung des Kande und Bilinde Yaka
durch einen Schamanen zum Dank für eine erfolgreiche Jagd.
Die Religion der Wedda ist ein Toten- und Geisterkult. Nach der allgemeinen Annahme wird der Geist eines jeden Verstorbenen (Mann, Frau und Kind) wenige Tage nach dem Tode ein Yaka; wie manche allerdings behaupten, sollen nur Männer dieses Vorzuges teilhaftig werden, die in ihrem Leben sich durch Tapferkeit, Charakterstärke und Geschicklichkeit auszeichneten oder die Macht besaßen, die Geister der Verstorbenen zu beschwören. Diese Geister der Verstorbenen werden insgesamt als Nae Yaku bezeichnet; sie erscheinen den Überlebenden als wohlgesinnte Verwandte und Freunde, sofern sie gut behandelt werden, lassen aber ihren Zorn und Unwillen an ihnen aus und sind ihnen direkt feindlich gesinnt, wenn man sie vernachlässigt. Daher sind die Wedda bemüht, sie sich durch Darbringen von Opfern ([Abb. 76] u. [77]) geneigt zu machen. Außer den gewöhnlichen Yaku beten die Wedda noch eine Art Obergeister an, die Seelen zweier Brüder, die einst berühmte Jäger waren, Kande Yaka und Bilinde Yaka; nach dem allgemeinen Glauben sollen die Nae Yaku zu diesen gehen, um etwas für ihre überlebenden Angehörigen, im besonderen bei der Ausübung der Jagd, zu erreichen, und ihnen in gewissem Sinne Dienste leisten. Haben die Wedda Unglück auf der Jagd gehabt, dann wenden sie sich mit Bitten an diese großen Geister. Ihre Anrufe bestehen in einem Tanz um einen in die Erde gesteckten Pfeil ([Abb. 79]); die Tänzer schlagen sich dabei im Takte mit den flachen Händen auf ihre Seiten und rühmen die Tüchtigkeit des Kande als Jäger. Gelegentlich werden auch größere Feste vor Antreten eines Jagdzuges gefeiert. Nach der Schilderung, die Seligmann von einem solchen gibt, wurden zunächst Reis, Kokosnuß und Pfefferschoten mit bestimmten Wildstücken gekocht und in einer Lichtung des Dschungels als Opfer hingestellt. Der Schamane hockte sich davor nieder, wendete sich mit gefalteten Händen an die beiden Kande und Bilinde Yaka ([Abb. 81]), dankte ihnen für den bisherigen Erfolg, den sie auf der Jagd den Leuten verliehen hätten, und forderte sie schließlich auf, von dem Opfer zu nehmen ([Abb. 82]). Nach kurzer Zeit, währenddessen die Geister, wie man annahm, sich versorgt hatten, wurde die Speise von den Wedda aufgezehrt. Darauf wurden auf freiem Platze in der Nähe der Höhle drei Stöcke zusammengebunden und auf diese ein tönerner Napf, Kirikoraha, gesetzt und darüber ein Zeremonialpfeil gelegt ([Abb. 83]). Alle stimmten nun Gebete an die Yaku an, der Schamane tanzte mit dem Pfeil und einer Kokosnuß in den Händen um das Gestell und schlug beides kräftig aneinander, so daß die Kokosnuß zerbrach; die ausfließende Milch ließ er in die Schüssel laufen; dabei sang er gleichfalls Beschwörungsformeln. Aus der Art und Weise, wie die Nuß sich spaltete, weissagte er, ob das nächste Tier, das erlegt werden würde, ein männliches (bei glattem Bruch) oder ein weibliches (bei zackigen Rändern) sei. Nachdem er darauf weitergetanzt und die Teilnehmer ihre Beschwörungsgesänge fortgesetzt hatten, untersuchte der Schamane auch die Milch, indem er sie sich durch die Finger laufen ließ und etwas auf seinen Pfeil schüttete ([Abb. 84]). Zunächst fiel er nun erschöpft in die Arme eines der Zuschauer, erholte sich aber bald wieder, füllte seine hohle Hand mit Milch und prophezeite unter Erschütterung des Körpers und Luftschnappen einigen der Anwesenden gutes Glück bei der Jagd. Sein aufgeregtes Wesen zeigte jetzt den Teilnehmern an, daß er vom Kande Yaka besessen sei; er kauerte sich zusammen und tat so, als verfolge er in Fußspuren die Fährte eines Tieres ([Abb. 85]). Darauf erhielt er Bogen und Pfeil und setzte unter großer Aufregung das Aufspüren des Wildes fort, bis er endlich einen Korb, der vor ihm auf die Erde gesetzt worden war, mit dem Pfeil durchschoß. Bald darauf verließ der Geist den Zauberer, und die Zeremonie war zu Ende. Zum Schluß wurde der Inhalt der Kokosnuß, die dem Yaka geopfert worden war, an die Festteilnehmer verteilt; ein jeder bemühte sich, etwas zu erhalten, damit ja nichts davon verloren gehe. Von der Milch wurde etwas den Hunden auf die Köpfe gerieben, damit sie tüchtiger beim Aufspüren und Erfassen des Wildes würden.
Phot. C. G. Seligmann.