Der Honig ist in der Tat ihre wichtigste Speise, von der sie selbst behaupten, daß sie sich nie so wohl befinden, als wenn sie tüchtig davon essen. Da er ihnen auch meistens reichlich zur Verfügung steht, so betreiben sie damit Tauschhandel und erhalten auf diesem Wege von den Singhalesen, die ihn ebenfalls sehr lieben, ihre eisernen Pfeilspitzen und Beile, sowie Tuch, Kokosnüsse und Reis. Das Einsammeln des Honigs, des Wabenerzeugnisses der Bambara (indischen Felsenbiene), ist recht umständlich. Die Bambara bauen ihre Nester vorzugsweise in den Spalten hoch oben in den Felsen an fast unzugänglich erscheinenden Stellen, zu denen man nur mittels Strickleiter gelangen kann. Bevor die Wedda auf diesen Leitern, die sie sich aus Rotang anfertigen, herabsteigen, lassen sie ein brennendes Bündel grüner Blätter herab, um die Bienen auszuräuchern oder zu betäuben. Sodann steigt einer aus der Gesellschaft auf der schwankenden Leiter hinunter, ebenfalls mit einer schwelenden Masse Blattwerk ausgestattet, während der Schamane der Gemeinde am Rande des Felsens steht und Zaubergesänge an die Geister der Verstorbenen richtet, auf daß sie den Honigeinsammler auf seiner „goldbesetzten Schnur“, wie sie die Leiter benennen, beschützen. Dieser führt außer seinem Feuerbrand noch einen kräftigen, etwa zweieinhalb Meter langen Stock mit vier Zinken, um die Waben loszureißen, (auch wohl einen Pfeil zur weiteren Hilfe) und einen festen Behälter aus Hirschfell zur Aufnahme des Ertrages, beides an einer Schlinge am Unterarm, mit sich. Für gewöhnlich schließen sich alle Gemeindemitglieder zur Gewinnung des Honigs zusammen und verteilen die Beute gleichmäßig ohne Rücksicht auf den, der sich den Gefahren des Einsammelns aussetzte. Die Frauen begleiten ihre Männer zu den Felsen und zu den Spalten, wo die Bambara ihre Nester anlegen; sie halten Fackeln während der Nacht, die man zum Einsammeln bevorzugt, und singen während der ganzen Zeit Lieder.
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 78. Eine Weddafamilie (Hennebeddastamm) vor ihrer Wohnung unter einem überhängenden Felsen.
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GRÖSSERES BILD
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 79. Speertanz der Wedda.
Phot. Platé & Co.