Das neue Jahr beginnt man mit verschiedenen Zeremonien, dem Anzünden des ersten Feuers, der Aufnahme der ersten Nahrung und ein paar Tage später mit der Ölung aller Familienhäupter mittels einer Mischung von fünf Ölen, die in günstigen Augenblicken, welche die Astrologen feststellten, gemischt wurden, um sich dadurch die allgemeinen Glücksfälle des Jahres zu sichern. Der Familienvater stellt sich mit dem Gesicht nach der Richtung gewendet, die für die günstige erklärt worden ist, vor einen Tisch, auf dem ein Licht und eine Tasse mit Öl steht, taucht einen oder auch alle Finger hinein und zieht die Fingerspitzen über die rechte Seite des Kopfes oberhalb des Ohres; unter tiefem Schweigen wiederholt er diesen Vorgang an den anderen.
Das Periyapalayamfest,
das jährlich zu Ehren der Dorfgöttin von Periyapalayam bei Madras stattfindet und von zahllosen Hindu aller Stände besucht wird. Männer, Frauen und Kinder kleiden sich in Blätter und Zweige des heiligen Mangojabaumes. Die Andächtigen zahlen eine kleine Eintrittsgebühr in den Tempelbezirk und gehen drei oder mehrere Male um den Göttinnenschrein herum.
⇒
GRÖSSERES BILD
Das große Peraharafest wird im Juni gefeiert, da um die Zeit der Sonnenwende die Regenperiode einsetzt; man veranstaltet diese besonders für Kandy großartige Zeremonie, um Fruchtbarkeit für die Äcker zu erzielen. An jedem Abend während der zwei Wochen, die das Fest dauert, trägt man die Waffen und Abzeichen von vier indischen Gottheiten in feierlichem Zuge, an dem Elefanten, Musikbanden und Tänzer bei Fackelschein teilnehmen ([Abb. 97]), durch die Stadt, am letzten Abend kommt noch die angebliche Zahnreliquie des Buddha ([Abb. 75] und [98]) hinzu. An diesem Abend begibt sich der Aufzug schließlich noch nach dem Mahawäligangafluß zum Wasserschneiden. Bei Anbruch des nächsten Tages beschreiben die vier Priester der Tempel der indischen Gottheiten mit ihren Schwertern einen Kreis im Flusse, füllen vier Gefäße mit Wasser aus diesem Kreis und kehren damit zu ihren Tempeln zurück, wo man die Gefäße bis zum nächstjährigen Peraharafest stehen läßt. An anderen Stellen spielt sich der Vorgang etwas anders ab; hier wird ein weißes Tuch von zwei Männern über das Wasser gehalten und in der Mitte von den Symbolen der Gottheiten niedergedrückt; das in dem Tuch befindliche Wasser wird in den Tempel mitgenommen. Solches Wasser wird auch verabreicht, um Krankheiten zu heilen. — Ein anderes wichtiges Fest wird alljährlich zu Ehren der Göttin Mariamma zu Periyapalayam gefeiert ([Abb. 99] und die [farbige Kunstbeilage]).
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 99. Eine Szene vom Periyapalayamfest,
das alljährlich in der Nähe von Madras gefeiert wird. Büßer kriechen zur Erfüllung eines Gelübdes oder rollen sich auf der Erde rund um den Heiligenschrein der Göttin Mariamma.