Das Ritual, bei dem es sich darum handelt, die schädlichen Einflüsse der Planeten und anderer Himmelskörper zu vertreiben, weist fünfunddreißig verschiedene Formen auf und besteht hauptsächlich aus Tänzen und Gesängen zu Ehren der Macht, welche die Krankheit veranlaßt hat, sowie in Anrufen des Inhaltes, daß sie ihre Wirkung auf den Kranken aufhören lassen möge; die Zeremonie dauert für gewöhnlich die ganze Nacht hindurch. Der Patient sitzt oder liegt dabei auf einer Matte dem Amtierenden gegenüber, ihm zur Seite je ein Freund. Bei jeder Pause in den Bittgesängen des Priesters rufen diese beiden der angeredeten Macht „Ayibo, Ayibo“, das heißt „Langes Leben, langes Leben“ zu. Der ganze Vorgang wird reichlich beleuchtet, die Tänzer tragen auch noch Fackeln; Tamtamschläger begleiten die Tänzer im Takt. Vor dem Kranken ist außerdem noch auf einem Rahmen ein farbiges Lehmrelief seiner selbst, sowie die Sinnbilder einiger Himmelskörper aufgestellt; er hält das Ende eines Fadens in der Hand, der an der Mittelfigur befestigt ist. — Der Glaube an den Einfluß der Gestirne ist in dem Singhalesen fest eingewurzelt, und seine stete Sorge ist es, überall die Gunst des Standes der Gestirne auszunutzen und ihre schädlichen Wirkungen abzuwenden. Vor Schluß des Jahres läßt er sich von dem Astrologen eine Zusammenstellung geben, in der alle glück- und unheilbringenden Stunden — hierzu gehören in erster Linie die Finsternisse — des neuen Jahres verzeichnet stehen, sowie alle Handlungen und Zeremonien, die man zu diesen Zeiten vorzunehmen, beziehungsweise zu unterlassen hat. In einem solchen astrologischen Kalender heißt es unter anderem: „Das Zeichen des kommenden Jahres wird ein roter Löwe sein, der gerade aufgerichtet auf einem Pferde reitet und aus einem Loch herauskommt, das wie das Maul eines Pferdes gestaltet ist. Dies wird am Anfange des Jahres geschehen, neun Stunden und vierundfünfzig Minuten nach Sonnenuntergang; in diesem glücklichen Augenblick soll man Milch an allen vier Ecken des Hauses kochen“ und so weiter.

Photo. Colombo Apothecaries Co.

Abb. 97 Peraharaprozession in Kandy,

bei der in jeder Nacht während zweier Wochen die Gerätschaften und Abzeichen der vier indischen Gottheiten, in der letzten Nacht der Buddhazahn auf einem Tempelelefanten durch die Straßen getragen werden. Den Elefanten gehen voraus und folgen die Dorfvorsteher mit breiten tellerartigen Kopfbedeckungen. Vor diesen kommen Tänzer und Stockschläger.


GRÖSSERES BILD

Phot. Colombo Apothecaries Co.

Abb. 98. Der heilige Zahn des Buddha,

der angeblich etwa achthundert Jahre nach dessen Tode nach Kandy gebracht wurde und hier in einem Tempel aufbewahrt wird. Er ruht auf einer goldenen Lotosblüte und wird für gewöhnlich mit einer goldenen, mit Edelsteinen besetzten Glocke zugedeckt.