Ist jemand von einer Krankheit befallen, dann wenden sich die Angehörigen zuerst an einen eingeborenen Arzt. Wenn dessen medizinische Behandlung nach einigen Tagen ohne Wirkung zu bleiben scheint, nehmen sie an, daß die Krankheit auf diese Weise nicht gehoben werden könne, sondern von einem feindlichen Einflusse, entweder von einem bösen Blick oder einem Dämon oder einer schädlichen Einwirkung der Gestirne herrühren müsse. Sie wenden sich jetzt an einen Wahrsager, der, nachdem er sich hat Bericht erstatten lassen, für gewöhnlich erklärt, daß das Leiden die Tat eines bestimmten Dämons sei, und daher empfiehlt, ihm eine Opfergabe zu versprechen. Der Priester, der diese vollzieht, befestigt als äußerlich sichtbares Zeichen, daß dieser Forderung Genüge geschah, an die kranke Person ein Bare (Merkmal), entweder eine in ein Stückchen gelbgefärbten Kattuns eingewickelte Münze um den Hals oder Arm, auch einen dreifachen ebenso gefärbten Faden, oder ein zusammengelegtes Taschentuch und anderes mehr, hängt auch ein entsprechendes Merkmal in seinem Hause oder Kornspeicher auf. Soll daraufhin die Versöhnung des Dämons vor sich gehen, so kommt an einem festgesetzten Tage oder Abend der Priester mit noch einem oder mehreren anderen ins Haus des Kranken, wo sich auch bereits Tamtamschläger eingefunden haben. Auf einem auf vier Stöcken hergerichteten Tischaltar wird eine Speise gekocht, deren Auswahl sich nach dem zu versöhnenden Dämon richtet, und diesem auf Bananenblättern als Tellern geopfert. Den Altar umstehen kleine Dochtlämpchen. Alles, was für die Zeremonie verwendet und geopfert wird, muß drei Reinigungen oder Läuterungen durchmachen. Es wird Weihrauch in einem Fäßchen geschwungen oder auf einen brennenden Stock gestreut, und die Enden eines weißen Tuches von genügender Länge werden von dem Priester in Form einer Acht in horizontaler Richtung geschwungen. Der Priester ist mit einem weißen Tuch bekleidet, das Haupt und Schultern bedeckt. Gleichzeitig werden die Tamtame so laut wie möglich geschlagen und Rohrpfeifen und Trompeten geblasen, um die Aufmerksamkeit des Dämons auf sich zu lenken. In manchen Fällen erfassen die Priester die Fackeln, schwingen sie und tanzen umher; die ganze Szene macht auf jeden Zuschauer einen ganz unheimlichen Eindruck, auch auf den Kranken, der ihr von Anfang bis zu Ende beiwohnt. Wird der oberste der Teufel, Sanni Yaka, der Krämpfe, heftige Zahnschmerzen, Kopfschmerzen und so weiter veranlaßt, angerufen, so kommen Masken in Anwendung. Es gibt deren nicht weniger als zweiunddreißig, jede von ihnen, ausgenommen die letzte, läßt äußerlich bestimmte, meistens verzerrte Züge eines Leidens erkennen, die er verursacht; die letzte Maske zeigt den Teufel aber in seiner wahren Gestalt als eine milde, gutartig aussehende Persönlichkeit. Wird er um Gnade angegangen, dann legt einer der Priester eine der Masken an, tritt aus dem Hintergrunde hervor, berührt die Speise, tanzt ein wenig und zieht sich darauf wieder zurück. Sodann erscheint er oder ein anderer mit einer neuen Maske; dies geht immer so weiter, bis alle zweiunddreißig Masken vorgeführt worden sind. Nach Ablauf dieser Zeremonie muß der Kranke dann genesen sein.
Phot. Platé & Co.
Abb. 95. Singhalesische Stocktänzer,
die hockend oder stehend um den in der Mitte befindlichen Leiter herumtanzen, indem sie gleichmäßig im Takt ihre Stöcke gegeneinanderschlagen.
⇒
GRÖSSERES BILD
Phot. Platé & Co.
Abb. 96. Singhalesische Teufelstänzer
mit ihrem besonderen Kopfschmuck, großem Ohrgehänge, Messingachselstücken, Perlketten über der Brust, roten Tuchanhängseln, die über den Gürtel herunterhängen, und weiten Röcken.