Phot. Wiele & Klein.
Abb. 137. Bilder aus der hindostanischen Götterwelt.
Dargestellt sind die Elefantengottheit Ganescha, Kali, Thayumanaswami und Sarasvati (Gottheit des Lernens). Das Musikinstrument, das die Figur rechts unten spielt, ist eine Vina, ein sehr verbreitetes Saiteninstrument der Hindu.
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GRÖSSERES BILD
Phot. E. Thurston.
Abb. 138. Ein Lingayatbettler
mit bemaltem Gesicht und falschem, mähnenähnlichem Haar. Er trägt lange Eisenstäbe, eine Glocke und Abbildungen von Gottheiten und hat einen Rosenkranz um den Hals.
Das ganze Leben der Hindu von der Wiege bis zum Grabe wird von abergläubischen Vorstellungen beherrscht. Schon vor der Geburt werden an der Schwangeren zeremonielle Handlungen vorgenommen, die darauf zurückgehen. Bei den Tiyan Malabars zum Beispiel werden Mitglieder der Waschmännerkaste und Teufelstänzer geholt, um zur Besänftigung der bösen Geister, die die angehende Mutter und ihr Kind belästigen könnten, umfangreiche heilige Handlungen auszuführen. So wird unter anderem im Verlaufe derselben ein Muster auf die Erde unter einem Bananengestänge gezeichnet; die Frau muß um dieses herumgehen und einen brennenden Docht hineinwerfen. Musik und Tanz begleiten diese Zeremonie bis in die Nacht hinein, und zum Schluß des Ganzen wird ein Huhn, manchmal ein bereits geköpftes, der Frau an die Stirn gehalten, und Reis über sie ausgeschüttet. Die Nayar Malabars pressen aus den Blättern eines Tamarindenbaumes den Saft aus und kochen ihn mit Reis; der Bruder der Schwangeren schüttet davon etwas auf einer Messerklinge ihr in den Mund. Von den Bergbagaba wird an der Schwangeren im siebenten Monat ihrer ersten Schwangerschaft eine Zeremonie vollzogen, bei welcher der Ehekontrakt endgültig dadurch besiegelt wird, daß der Ehemann in Gegenwart seiner versammelten Freunde seiner Gattin einen Faden um den Hals wirft. Verfängt er sich in den Haaren — manchmal wird, um dies zu erreichen, von ihr in schlauer Weise durch Hinzufügen falschen Haares die Frisur vergrößert —, dann muß er einige Rupien Strafe an sie zahlen. Vor dem Paar stehen zwei Schüsseln, in welche die Verwandten ebenfalls Geldstücke für die jung Verheirateten stiften. Ein Festschmaus wird am Schlusse veranstaltet. Bei einigen Kasten in der Tamilgegend werden um die Schwangere im siebenten Monat, während sie auf dem Hochzeitspodium steht, rotgefärbtes Wasser und Lichter geschwungen, um den bösen Blick von ihr abzulenken. Sie beugt sich sodann nieder und legt ihre Hände auf zwei große Töpfe, ihre Schwägerin oder eine andere Verwandte gießen ihr dabei Milch aus einem Betelblatt über den Rücken oder zeichnen ihr mit Reismehl ein Muster darauf und gießen dann erst die Milch darüber. Die Schwester des Ehemanns schmückt einen Stein in derselben Weise und betet, daß der Frau ein männliches Kind, ebenso stark wie ein Stein, beschert werden möge.