Bei den Kondh begegnen wir unter den Hochzeitszeremonien noch der Brautentführung. Dem Brautzug treten der Bräutigam und die jungen Männer seines Dorfes an der Dorfgrenze entgegen, jeder mit einem Bambusknüppel bewaffnet. Die jungen Frauen aus dem Dorfe der Braut aber gehen zuerst zum Angriff auf die Partei des Bräutigams mit Stöcken, Steinen und Erdklumpen vor, und ein Bombardieren wird eröffnet und fortgesetzt, bis das Dorf erreicht ist. Dann hört das Steinwerfen auf, und der Onkel des Bräutigams ergreift die Braut und trägt sie zum Hause seines Neffen. Der Umstand, daß es gerade der Onkel ist, der die Braut entführt, legt die Vermutung nahe, daß dieser Scheinkampf um die Braut, von dem in Südindien mancherlei Abänderungen vorkommen, nicht als ein Überbleibsel der Sitte, die man insgemein Raubehe nennt, anzusehen ist, sondern seine Erklärung in der Vorschrift findet, die noch bei vielen Kasten beobachtet wird, daß ein Mann die Tochter seines Onkels mütterlicherseits heiraten muß. Wo diese Vorschrift nicht zwangsweise durchgeführt wird, spielt dieser Onkel dennoch eine wichtige Rolle bei den Hochzeitszeremonien. So muß er öfters dem Bräutigam auf seine Bitte seine Zustimmung zur Heirat geben, oder der Onkel der Braut dem Bräutigam die Füße waschen, die Braut zur Hochzeitsbude tragen, ihr das Tāli um den Hals legen und die Finger des jungen Paares bei der Eheschließung zusammenbinden.

Bei den Kasten, wo der Brauch, die Tochter des Onkels mütterlicherseits zu heiraten, sich erhalten hat, kommt es bisweilen vor, daß ein Knabe von sieben oder acht Jahren an ein Mädchen versprochen wird, das zweimal so alt ist wie er. Dem Mädchen ist es in manchen Fällen erlaubt, auch mit ihrem Schwiegervater zusammenzuleben und zu verkehren, bis der Knabe, der als der Vater aller inzwischen etwa geborenen Kinder gilt, heranwächst.

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 149. Schlangengottesdienst zu Mylapore

vor dem Altar unter einem heiligen Baume. Die Anbetung der giftigen, heilig gehaltenen Kobra kommt in ganz Südindien vor, indessen mehr an der Westküste, wo Schlangenhaine, manchmal viele Morgen Land bedeckend, in großer Menge vorhanden sind. In den Hainen stehen zahlreiche Steine mit eingegrabenen Abbildungen der Kobra.

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 150. Malaiische Teufelsaustreiber.


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