Die Leiche wird unter einem mit Blumengirlanden reich geschmückten Baldachin zur Einäscherungsstätte getragen.
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GRÖSSERES BILD
Eine wichtige Rolle spielen bei der Hinduhochzeit die Töpfe. Nach dem Aberglauben des Volkes sollen sie dreihundertdreißig Millionen kleinerer Götter oder Dēvas vorstellen; daher verwenden Brahmanen auch dreiunddreißig Töpfe bei ihrer Hochzeit. Die Dorftöpfer haben für solche Gelegenheiten gut zu tun; sie fertigen eine Menge Töpfe an, deren größter an Umfang etwa dreieinhalb Meter messen muß. Die Töpfe nun werden von Braut und Bräutigam in gebührender Weise angebetet. Verschiedene Oriyakasten pflegen einen Topf mit Wasser aus sieben verschiedenen Häusern anzufüllen und in der Hochzeitsbude aufzuhängen, oder sie stellen eine Anzahl Töpfe, einen auf den anderen geschichtet, in die vier Ecken und in die Mitte dieses Raumes auf und so weiter. — Dem Barbier kommt bei Hochzeiten ein wichtiges Amt zu. Er hat dem Bräutigam die Fußnägel zu beschneiden und das Gesicht zu rasieren, wobei er zuweilen Kuhmilch an Stelle von Wasser verwendet. Er berührt auch die Stirn der Braut mit einem Rasiermesser und ihre Zehen mit einem in Milch getauchten Mangoblatt, dem Sinnbild des Wohlergehens; bei manchen Kasten bindet er der Braut auch das Tali um den Hals. Eine drollige Figur gibt der Barbier auf der Hochzeit bei den Lingayat Kannadiyan ab. Er hat hier die Aufgabe, die Köpfe des Brautpaares mit geklärter Butter aus einer Kokosnußschale zu besprengen, was ihm aber nicht leicht gemacht wird. Denn vorn trägt er einen Stein an einem Stricke um seinen Hals, der ihn dabei nach vorn herabzieht, und rückwärts ebenfalls einen Strick, an dem die Kinder ihn nach hinten ziehen.
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 158. Szene aus einer Hinduleichenverbrennung.
Nachdem der Scheiterhaufen heruntergebrannt ist, werden Milch und Kokosnußwasser über die Asche gegossen, um den Durst des Verbrannten zu löschen, sowie Reis, Hülsenfrüchte und Kuchen ihm dargebracht.
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 159. Verbrennung eines Hinduleichnams.