Phot. Wiele & Klein.

Abb. 163. Szene aus einem Todabegräbnis.

Bevor der Büffel getötet wird, beschmiert man Rücken, Hörner und Kopf mit Butter und bindet ihm eine Glocke um den Hals.

Die vornehmste Bestattungsform der Südindier, aber auch die teuerste, ist das Einäschern der Leichen; diese können sich nur die Wohlhabenderen leisten ([Abb. 156] bis [159]). Daher begegnen wir der Einäscherung allgemein bei den höheren Kasten, bei den niederen dagegen nur insoweit, als die pekuniären Verhältnisse der Familie es gestatten. Die Regel bildet bei den niederen Kasten das Begraben der Toten. Beim Tode des Mannes wird der Witwe manchmal das Tali vom Halse abgenommen und mit den Blumen, die sie schmücken, der Leiche mit ins Grab gegeben, oder ihre Spangen werden vor einem hölzernen Pfahl, der mit dem Zeug des Mannes bekleidet ist, zerbrochen. Beerdigung in sitzender Haltung kommt noch unter anderen bei einigen primitiven Dschungelstämmen vor. Das Grab wird oft dadurch gekennzeichnet, daß man eine Hütte oder ein Schirmdach darüber baut und einen stachligen Zaun aus Zweigen herumlegt, damit die wilden Tiere, im besonderen die Schakale, nicht herankönnen, oder man legt einen Kiesel mit einem Zauberspruch auf das Grab, um den Geist des Verstorbenen daran zu hindern, daß er die Überlebenden belästigt.

Phot. Wiele & Klein.

Abb. 164. Einfangen eines Ochsen für ein Todabegräbnis,

der darauf zum Begräbnisplatz getrieben wird.

Vielseitig und manchmal auch sehr sinnig sind die Gebräuche, die man mit der Asche des Toten vornimmt. Die Bergkoyi vermischen sie mit Wasser und formen Kugeln, vergraben diese in einem Loch und decken eine Steintafel darüber. Wenn Freunde des Mannes an der Stelle vorübergehen, legen sie ein paar Tabakblätter für ihn auf diese Tafel. Die Bergsavara begraben Reste der verbrannten Gebeine mit einem zerschlagenen Hühnerei in einer Miniaturhütte; auch schicken sie Stücke verkohlter Knochen an Verwandte, die entfernt wohnen, damit diese an ihnen bestimmte Begräbniszeremonien vornehmen. Manche Kasten legen ein Stück Knochen in einen Topf unter einen heiligen Feigenbaum; der Sohn des Verstorbenen nimmt diesen schließlich fort und vergräbt ihn in der Nähe seines Hauses. Andere wieder pflanzen eine Tulsipflanze an der Stelle, wo die Asche begraben liegt; manchmal werden die Aschenreste auf einen Baum, einen Ameisenhaufen, in fließendes Wasser oder auch in die See geschüttet. Vielfach besteht auch die Sitte, die Asche als Postpaket an einen bestimmten Agenten in Benares zu senden, auf daß er sie in den heiligen Ganges schütten läßt. — Bildnisse des Verstorbenen werden oft aus seiner Asche, Reismehl, Stroh und Schlamm hergestellt oder auf ein neues Tuch aufgezeichnet und dann durch Opfergaben geehrt. Die Strohfiguren verbrennt man dann oft, die Bergkondh aber stellen sie vor oder auf dem Dache ihrer Häuser auf. Die Oriya Gaudo stecken sieben kleine Fahnen aus gelbgefärbtem Stoff in die Schultern, den Unterleib, die Beine und den Kopf einer Figur aus Asche und bringen ihr Speise dar. Von vielen Kasten wird ein Topf mit Wasser oder Reis von dem Hauptleidtragenden, in der Regel der Witwe des Verstorbenen oder seinem Onkel mütterlicherseits, auf dem Hinwege zum Verbrennungsplatz oder auch auf diesem selbst zertrümmert.