Abb. 173. Ein Büßer der Urdhamukhi Sadhu oder Heiligensekte

in hängender Stellung mit dem Kopf nach unten, wodurch diese Fakire in den Ruf großer Heiligkeit gelangen.


GRÖSSERES BILD

Abb. 174. Ein Brahmanenweib bei ihrer täglichen Andacht.

Die Frau sitzt auf einer Matte, hält eine Glocke in der Hand und hat vor sich einen Opferbecher, eine Muschel, einen kleinen Ständer oder Aufsatz mit Bildern und das Gebetbuch.

Die Beschaffenheit der Wohnungen hängt von dem Rohmaterial ab, das die Gegend liefert. Im allgemeinen wohnen die Vornehmen in Häusern aus Backsteinen oder aus Holz, die einfacheren Leute hausen in Hütten, die aus Bambus oder Lehm aufgebaut und mit Matten oder Palmblättern bedeckt sind. — Die Nahrungsweise der Hindu ist seit Zeiten ziemlich dieselbe geblieben; Pflanzenkost ist bevorzugt, für manche Kasten direkt vorgeschrieben. Daher machen Reis und Milch, in anderen Gegenden mehr Hirse und Weizen die Hauptnahrung aus.

Die ursprüngliche Religion der arischen Einwanderer in Nordindien war der Animismus oder die Seelenanbetung, die in allem in der Natur eine Seele erblickte und im Dämonen- und Zauberglauben ihren Ausdruck fand. Erst später trat die Vorstellung an bestimmte höhere Wesen hinzu, an Naturgötter, wie Agni, Indra, Surya, Waruna und andere mehr, die uns in der ältesten indischen Religionsliteratur, den Veden, begegnen. Aus dieser Lehre entwickelte sich allmählich eine hochphilosophische Lebensauffassung, die mit der Ausbildung des Brahmanentums ([Abb. 174]), der alles beherrschenden Priesterkaste, Hand in Hand ging. Durch Spekulation entstand aus der Naturreligion die Idee des Brahma, des All-Einen, der Weltseele, und schließlich die konkrete Gestalt des höchsten Gottes Brahma selbst. Diese Lehre führte weiter zur Annahme des Dogmas vom Weltübel und von der Seelenwanderung. Daher müssen alle von der Weltseele ausgestrahlten Wesen in sie auch wieder zurückkehren, zuvor aber sich einem Reinigungsprozeß unterwerfen, der sie von der Materie schließlich gänzlich frei macht. Die Bestrebungen des Gläubigen gehen dementsprechend darauf hinaus, schon bei Lebzeiten die Seele vom Körper unabhängig zu machen, was nur durch selbstlosen Lebenswandel, Sichlossagen von allen Begierden und Vergnügungen, intensives Versenken in sein Inneres erreicht werden kann. Je mehr man alle Lebensäußerungen einschränkt, um so eher gelangt man zu seinem Ziele. Diese merkwürdige Lehre hat in ihrer extremen Auffassung ganz merkwürdige Heilige großgezogen, denen man gerade in Indien auf Schritt und Tritt begegnet; es sind dies die sogenannten Fakire, deren es wiederum verschiedene Klassen gibt, vom Yogi, der niedrigsten Stufe, an bis zum Mahatma, der höchsten, hinauf. Diese Fakire, die sich aus allen Lebensaltern zusammensetzen und durch Leute aller möglichen geistlichen Fähigkeiten vertreten werden, sind zumeist echte Fanatiker und Asketen, oft genug aber wohl auch schlaue, geriebene Schwindler, Taugenichtse und selbst Geisteskranke. Ein außergewöhnliches Äußere und absonderliche Gewohnheiten gehören zum Teil zu ihrem Handwerk; sie gehen nämlich fast unbekleidet einher, reiben sich den Körper ganz mit Asche ein, verstümmeln ihn, liegen beständig auf einer nagelgespickten Unterlage ([Abb. 175]) oder gehen barfuß darüber (siehe die [Kunstbeilage]), stehen jahrelang an einer und derselben Stelle, setzen sich dem Feuer aus ([Abb. 178]), leben ohne ein Wort zu sprechen und nehmen noch andere Selbstpeinigungen vor ([Abb. 176] u. [177]). Nebenbei betreiben sie noch allerlei übernatürliche Künste, hypnotisieren sich selbst, lassen sich, ohne Nahrung zu sich zu nehmen, monatelang begraben und anderes mehr.

Mit Genehmigung von Könyves Kálmán, Budapest.