die seit undenklichen Zeiten von frommen Büßern eingenommen wird und als Wallfahrtsort für Pilger dient. Der fromme Einsiedler flüstert ihnen Worte ins Ohr, die ihnen als Führer durchs Leben dienen sollen.

Phot. The Baptist M. S.

Abb. 197. Ein verdienstvolles Hinduwerk.

Die Fütterung von Affen aus der Umgegend von Simla durch einen frommen Hindu. Die Religion schreibt den Hindu vor, kein Tier zu töten, sondern im Gegenteil für seine Erhaltung Sorge zu tragen.


GRÖSSERES BILD

Abb. 198. Bettelnde Yogi,

die gelegentlich der Bademessen sowie an heiligen Plätzen mit ihren reichgeschmückten Ochsenwagen herumziehen, unter Musikbegleitung religiöse Gesänge vortragen und dafür Almosen einsammeln.

Die gebildeten Kreise der Mohammedaner kennen weiter keine Hochzeitszeremonien außer denen, die das islamitische Gesetz vorschreibt. Beachtenswert ist dabei nur, daß der Bräutigam seiner Braut ein Ausstattungsgeschenk von auffallend hohem Wert machen muß; dieses kommt ihr sehr zugute, im Falle ihr Mann sich später etwa von ihr scheiden lassen sollte. Dagegen gibt es unter den niedrigen Klassen der Islamanhänger Indiens eine ganze Reihe von Hochzeitszeremonien, von denen wir nur die wichtigsten hier wiedergeben können. Gemeinsam ist wohl allen die Verwendung von rotem oder rot gesprenkeltem Papier für die Dokumente und Briefe, das Trinken von Sorbet und das Verschenken von Süßigkeiten und kleineren Gaben an gewisse privilegierte Personen. Nach Abschluß der Vorverhandlungen und Austausch der üblichen Geschenke erfolgt die offizielle Verlobung; hierbei ist von Wichtigkeit, daß die Braut ihrem Erwählten einen glatten Ring, ein rotes Tuch, Süßigkeiten sowie einen Versprechungsbrief überreicht, in dem der Hochzeitstag festgesetzt wird. Hieran schließen sich zu bestimmten Zeiten verschiedene Zeremonien, wie die des Mehlmahlens, des Zuschneidens der Brautkleider und der Nachtwache. Diese letztere besteht darin, daß Frauen die ganze Nacht hindurch, ehe der Hochzeitsbaldachin angefertigt wird, vor einem besonders hergerichteten Wassergefäß sich hinsetzen, um „Gott wach zu erhalten“. In derselben Nacht wird noch ein verziertes Wassergefäß aufgestellt, um darin Sturm, Regen, Schlangen, Skorpione, Würmer und andere schädliche Dinge aufzufangen, und von frommen Bettelmönchen die Feuerlöschzeremonie, eine Art Durchsfeuergehen mit nackten Füßen, vollzogen. Am nächsten Abend wird den verstorbenen Vorfahren ein feierliches Opfer dargebracht und das Brautpaar von sieben verheirateten Frauen gesalbt. Nach allen diesen Vorarbeiten findet erst der Hochzeitszug statt, der sich in der schon geschilderten Weise abspielt. Dann erst bekommt der Bräutigam seine Braut zum ersten Male von Angesicht zu Angesicht zu sehen; denn bis dahin war sie ihm eine Unbekannte. Es folgen noch einige seltsame Zeremonien, wobei darauf geachtet wird, daß die Braut die ganze Zeit über die Augen geschlossen hält und keinen Fuß auf die Erde setzt; um dies zu vermeiden, wird sie auf den Armen einer Dienerin umhergetragen, sogar in das Haus ihres Gatten am Tage nach der Hochzeit. Hier finden während zwei bis drei Tagen weitere Zeremonien statt, worauf der Bräutigam für weitere zehn Tage mit ihr in das Heim ihrer Eltern zurückkehrt. Hier ist ein Raum für die jungen Leute hergerichtet, den die Braut zum ersten Male wieder mit den Füßen betreten muß; hier erwartet sie ihr Gatte. Denn damit ist erst die wirkliche Ehe geschlossen.