Da kam zur Türe still herein ein Fremder mit seinem Töchterlein und setzte sich unten am langen Tisch, um auch zu kosten von Wein und Fisch. Oben klirrten die Löffel und Messer, klangen die Gläser und scherzten die Esser.
Da tönt auf einmal gar hell und fein eine Stimme in den Lärm hinein, wie wenn von fern ein Glöcklein klingt, wie wenn im Wald ein Vogel singt. Und wie auch der Strom der Rede rauscht, still wird es rings und jeder lauscht: der Krieger, der von den Schlachten erzählt, der Kaufmann, der über die Zölle geschmält, die Reisenden, die von Abenteuern gesprochen und von Ungeheuern, die Stutzer, die von Pferd und Wagen und Hunden und Moden so vieles sagen.
Und wie sie schauen nach dem Orte, von woher dringen die lieblichen Worte: mit gefalteten Händen das Mädchen steht und spricht sein gewohntes Tischgebet. Und wie beseelt von höherem Geist falten auch sie die Hände zumeist und horchen alle mit rechtem Fleiße auf des betenden Kindes Weise. Drauf setzt es sich nieder mit stiller Freude und achtet nicht auf all die Leute. Die aber, ergriffen im tiefsten Innern, mußten sich oft noch daran erinnern. Und mancher hat wieder gebetet fortan, was er schon lange nicht mehr getan.
Friedrich Güll.
[Dem Vaterland.]
Das ist ein hohes, helles Wort, Dem Vaterland! das hallt durch unsre Herzen fort wie Waldesrauschen, Glockenklang, Drommetenschmettern, Lerchensang; das fällt, ein Blitz, in unsre Brust, zu heil'ger Flamme wird die Lust! Dem Vaterland!
Dem Vaterland! Das Wort gibt Flügel dir, o Herz. Flieg auf, flieg auf, schau niederwärts die Wälder, Ströme, Tal' und Höhn; o deutsches Land, wie bist du schön! Und überall klingt Liederschall und überall ein Widerhall: Dem Vaterland!
Dem Vaterland! Das seinen Töchtern hat beschert der keuschen Liebe stillen Herd, das seinen Söhnen gab als Hort die freie Tat, das treue Wort, das feiner Ehren blanken Schild zu wahren allzeit sei gewillt,— dem Vaterland!