Nach dem Wegzug des Herrn lösten sich die Zungen der Leute; man erzählte erst im Stillen, dann öffentlich, daß es mit der Frau nicht habe mit rechten Dingen zugehen können, denn das ganze Gutsgesinde wußte gar wohl, daß sie nicht eine Nacht zu Hause geschlafen hatte, sondern, wenn der Herr eingeschlafen war, räucherte sie ihm, wer weiß mit was für Kräutern, unter die Nase, und ging dann im weißen Nachtgewande ihrer Wege, von denen sie erst gegen Morgen zurückkam. Andere wieder erzählten, daß die verstorbene Frau niemals Speise und Trank zu sich genommen, sondern, wie von der Luft gelebt habe, wenn sie nicht etwa auf ihren nächtlichen Wanderungen irgendwo an einem fremden Orte sich gesättigt habe.

Fußnoten:

[1] Die Bucht an der Ostsee westlich vom Lauf der Narowa. L.

[2] Identisch mit dem in dem ersten Bande häufig vorkommenden »alten Burschen« (dem Bösen). L.

[3] Vgl. Bd. 1, S. 67. Anm. L.

[4] Sterblichen im Elfen- oder Feenlande verfließt die Zeit, ihnen unbewußt, mit reißender Geschwindigkeit. S. Köhler's Anm. zu Bd. 1, S. 364. L.

[5] Vgl. Bd. 1, S. 89 Anm. und S. 104 Anm., sowie S. 30. An letzterer Stelle heißen die im Mondschein badenden Jungfrauen der Waldelfen und der »Rasenmutter Töchter«. Wenn in unserem Märchen der König des Nebelberges der Gemahl der Rasenmutter heißt, so möchte eine ursprüngliche Identität desselben mit den »Waldelfen« angenommen werden können. L.

[6] S. Bd. 1, S. 83 Anm. 2. L.

[7] Ehstn. liba hunt, eigentlich läufische Wölfin, soll nach dem Aberglauben das neunte Junge eines Wolfes sein, besonders gefräßig und gefährlich, mit spitzer Schnauze, welches die Thiere von hinten anfällt und ihnen das Eingeweide herausreißt (Wiedemann, Ehstnisch-Deutsches Wörterb. S. V). Hier ist es offenbar Wärwolf, d. h. Mannwolf. Vgl. über diesen Aberglauben Rußwurm Eibofolke S. 360. L.

[8] Wörtlich: Daß man nicht vor seinen Füßen sehen konnte. L.