Aus dem
Mildenauer Spiel
teilt Mosen nur einige Verse des Wirtes mit, die in unserem Schlußspiel am Anfang des Krippenspiels, Nr. 5, gesprochen werden.
Das Neudorfer Spiel.
Im Jahre 1860 lernte Gustav Mosen bei seinen Forschungen nach Christspielen in Neudorf einen 90jährigen Greis kennen, einen gewissen Oeser, der das ganze Neudorfer Spiel im Gedächtnis hatte. Kantor Türke in Neudorf hat Mosen das Spiel aufgeschrieben, und – was noch bedeutsamer ist – auch die Weisen der Lieder mit, sodaß auf diese Weise einige köstliche Gesänge überliefert worden sind. Das Spiel enthält einige Szenen, die in den Resten der anderen Engelscharen nicht erkennbar sind. Zunächst singt der Chor in der Hausflur den 1. Vers des Liedes: »Vom Himmel kam der Engel Schar.« Während dieses Gesanges kniet der Engel Gabriel auf der Türschwelle. Hierauf erhebt er sich, tritt mit feierlichen Schritten in das Zimmer und spricht:
In diesem Hause sei des höchsten Gottes Friede,
den angemeldet hat in einem neuen Liede
der Engel aller Schar in dieser frohen Nacht,
die uns der Völker Heil und Licht zuweggebracht.
Zu des Augustus Zeit ist uns ein Sohn gegeben,
der uns gebähnet hat den Weg zum Himmel eben.
Ihr Leute, höret zu, was von dem Kinde sagt
ein jeder unter uns, und seid ganz unverzagt.
Die Schar kommt herein und Joseph spricht:
Mein Herz ist voll lauter Not.
Maria, die schöne Braut,
ist mir zum ehelichen Weibe anvertraut;
allein man sagt jetzt allerorten,
sie wär, ich weiß nicht wie, schwanger worden.
Nun werd ich mir den Vorsatz fassen,
um sie bald heimlich zu verlassen.
Nun wird mir mein Herz so schwer!
Ich will mich ein wenig ducken hieher.