Du sollst nicht führen in Unehren
den Namen Gottes mit Fluchen und Schwören.

Jedes Gebot wird durch ein kurzes Reimchen erläutert; zum Teil in recht passender Weise:

Du sollst nicht töten zürniglich,
nicht hassen noch selbst rächen dich.

oder:

Dein Eh' sollst du bewahren rein,
auf daß dein Herz kein andern mein.

Zuletzt fragt der heilge Christ den Tod:

Hör an, du Tod,
haben auch die Leute gehalten die zehn Gebot?

Der unerbittliche Tod sagt unter Beifallsbezeugungen Ruprechts:

Nicht eins, Herr, ich vernein,
sie haben gehalten nicht eins.
Mit dem ersten Gebot
habens getrieben nur Spott;
es ist auch nicht dabei geblieben,
sie haben Abgötterei getrieben.
Zum andern habens geführt in Unehren
den Namen Gottes mit Fluchen und Schwören;
es ist auch nicht dabei geblieben,
sie haben Zauberei getrieben.
Zum dritten habens gesündigt greulich,
haben den Feiertag nicht gehalten heilig,
haben sich lassen den Teufel belehren,
haben nicht einmal auf die Predigt wollen hören.
Zum vierten haben Vater und Mutter nicht wollen ehren,
haben sich kein Bubenstück lassen wehren:
So die Eltern was wider ihre Kinder wollten sagen,
haben sie sie wollen zum Haus nausjagen.
Zum fünften, dem hört, was ich werd weiter sagen:
Sie haben einander gar totgeschlagen;
habens nicht können tun mit den Händen,
habens wollen gleichsam mit der Zunge vollenden.
Zum sechsten habens die Ehe gebrochen.
Ach, Herr, laß nicht ungerochen!
Zum siebenten ist ihnen auch nicht verhohlen:
Sie haben einander Geld und Gut gestohlen;
haben sie's nicht können tun bei der Nacht,
habens mit falschen Artikeln an sich gebracht.