Gesang: Wunderkind wie deine Kinder etc.
Der größere Engel.
Nun hört ihr großen Herren und Frauen insgemein,
wir bedanken uns auch alle fein
für das Geschenk, das sie uns verehrt haben.
Dafür wünschen wir ein glückliches neues Jahr!
Und sollten wir noch gesund seyn,
so kommen wir nächstes Jahr wieder rein.
Ich wollte wünschen wir möchten einander mit Freude willkommen seyn.
Gesang: Heut schleußt er wieder auf die Thür.
[8. Vers von Lobt Gott ihr Christen etc.]
Die ganze Verhandlung läßt erkennen, daß jedenfalls der Ortsgeistliche der Urheber des Schriftstückes gewesen ist. Der Lehnrichter Siegel hatte die Aufführung in seinem Saale verboten, da ging man kurzerhand ins Zechenhaus. Dies untersagte das Bergamt zu Geyer. Das Konsistorium in Dresden ließ die Sache bis zum Kurfürsten[15] gelangen, aus dessen Kabinett ein Befehl an den Amtmann zu Stollberg erging, die Uebeltäter zu bestrafen und zwar mit 2 Tagen Gefängnis und Tragung der nicht unerheblichen Kosten. Das Amt zu Stollberg verfügte demgemäß. Man versteht heutzutage die Maßnahmen der Geistlichen kaum, denn dem hohen Konsistorium zu liebe, wurde schließlich doch das Urteil gefällt. Es zeigt von einer Beschränktheit und Volksfremdheit, die durchaus nicht etwa die Stimmung der Bevölkerung im kirchenfreundlichen Sinne beeinflußte. Spieler und Hörer glaubten bei der Ausübung der alten Sitte ein christliches Werk zu tun. Der Vorwurf, die heilige Geschichte lächerlich gemacht zu haben, lehnten sie entschieden ab.
Das Thalheimer Spiel ist jedenfalls weitverbreitet gewesen. Der Bergmann Unger will es auch in Breitenbrunn mitgespielt haben.
Das Schwarzenberger Spiel.
In der Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung vom 23. Dezember 1902 berichtet Karl Freyboth über ein »Heilige drey König Spiehl«, welches ihm in einer Niederschrift vom 15. Februar 1805 vorlag. Ein Johann August Hermann in Raschau hat es aufgeschrieben. Es wurde auch in Schwarzenberg und Grünhain aufgeführt und ähnelt fast vollständig dem vorher mitgeteilten Thalheimer Spiel. Die Bruchstücke lassen aber erkennen, daß die Königs- und Hirtenszenen besser geordnet sind, wie dies auch im Wiesenthaler Spiel der Fall ist. Der Epilog, vom Engel gesprochen, weicht auch vom Thalheimer Spiel ab:
Ihr geehrten Herren und Frauen insgemein,
was ein Anfang hat, muß auch ein Ende sein.
Sie habens doch vernommen zwar,
wie es zuging mit der Christenschar.
Gott sandte doch ein Engelein,
zu behüten das liebe Jesulein,
dieweil Herodes eine falsche List
erdacht hat wider den Herrn Jesus Christ.