Der Gardeson antwordet edwas zornig:
Herr König, hab ichs nicht gesagt,
Ihr solt mich lasen unbefragt,
Da ich nun klärlich zeigte an,
Es wären Kundschafter auf der ban?
Ihr glaubt mir aber nicht!
Machts, wie ihr wold, ist mein bericht!
Herodes Andwordet ganz zornig:
Nicht, nicht so trotzig, Gardeson!
Ich mus doch gleich wohl hören an,
Was fremde Leute bringen für,
Die sich erzeigen gegen mir
Mit aller Ehr und Höflichkeit!
Ich will bald enden diesen Streitt. –
Mein Kammerdiener geh geschwind
Und nimm zu dir das Kriegsgesind,
Geh hin nach Bethlehem ins Jüdische land,
Würg alle Kinder vor der Hand,
Die du allso findest klein,
Die zwey Jahr und trunter sein.
Der Kammerdiener spricht und zieth den Säbel geth naus ins Haus:
Herr König, ich bin schon bereit
Zu ziehen aus in solchen Streitt;
Nur Geld zur reis, es geth nun fort,
Das ich beschlis das Königswort.
Der Gardeson:
Mein Herr rasst und ist nicht klug!
Ich sagts ihn vorhin gut genung:
Was vermögens die kleinen Kindelein,
Die ietzunt so erbärmlich schrein!
Die drey kundschafter werden lange
Mit ihren Prinzen sein gegangen,
Einen andern gang gesuchet ham nach ihren Land!
Die Thorheit nimt gar überhand.
Drum lustig, wer kan lustig sein,
Wen gleich die kleinen kinder schrein!
Das Unglück ist auf meinem Herrn,
Mich wird es gar nicht sehr beschwerrn!
Der Kammerdiener tritt wieder rein, bei die Stubenthüre, nimmt den Degen ab und spricht:
Von Betlehem kom ich zu Hauß
Und hab meine Sache recht gerichtet aus:
Viele tausend Man hab ich erschlagen
Truz dem, der mir ein Wort kan sagen.
Die Kinder schrieen Jämmerlich,
Bey mir war keine Verschonung nicht. –
Herr König, der will ist vollbracht:
Sie geben der furcht gute nacht!