Da öffnete der Mann seine Augen etwas und blickte seitwärts nach dem Raben. Dieser kam näher an den kleinen häßlichen jungen Mann und stand da und hatte in seinem Schnabel ein gutes, scharfes Messer. Er kam näher, und zwischen seinen Augenwimpern hindurch sah der Mann, am Griff gehalten, das scharfe Messer. Er dachte: »Ich hatte doch kein Messer.« Dann kam die Spitze hart an ihn. Er dachte wieder: »Ich hatte kein Messer.« Da erfaßte er es plötzlich und zog es dem Raben weg.
Der Rabe sprang zurück und der Mann setzte sich auf. »Gib mir das Messer«, sagte der Rabe. Der Mann antwortete: »Ich habe kein Messer und das soll jetzt mein Messer sein.« Der Rabe erwiderte: »Ich will dich dafür mit allerlei Wildpret bezahlen.«
»Nein«, sagte der Mann, »ich will es nicht zurückgeben, ich gehe immer jagen und kann nichts finden.« »Dann«, erwiderte der Rabe, »sollst du, wenn du zum Dorf zurück willst, es nicht erreichen, wenn du's auch versuchst.« »Ich hatte kein Messer«, antwortete der Mann. Da hüstelte der Rabe und sagte: »Du willst es also so, behalte mein Messer, wenn du es so schätzt«, und flog davon.
Der Mann setzte sich auf und hielt noch immer das Messer. Dann brach er auf, um ins Dorf zurückzukehren. Wie er ging, schnürte sich seine Kehle zusammen, sein Rücken krümmte sich und er stützte seine Hände auf die Knie. Plötzlich war er ein alter Mann geworden und konnte nicht gehen. Er fiel aufs Gesicht. Er konnte nicht aufstehen. Er war tot.
[Wie der Rabe das Licht brachte]
In den ersten Tagen spendeten, wie jetzt, Sonne und Mond das Licht. Dann aber wurden Sonne und Mond weggenommen und die Menschen blieben auf Erden lange Zeit ohne jedes andere Licht, als den Schimmer der Sterne. Ohne jeden Erfolg machten die Zauberer ihre größten Kunststücke, die Finsternis hielt an.
In einem Dorf am unteren Yukon lebte ein Waisenknabe, der immer mit den Dienstleuten auf der Bank beim Hauseingang saß. Die anderen Leute hielten ihn für närrisch und jedermann verachtete und mißhandelte ihn. Nachdem sich die Zauberer furchtbar, aber ohne Erfolg, angestrengt hatten, Sonne und Mond zurückzuschaffen, verspottete sie der Knabe und sagte: »Was für feine Zauberer müßt ihr doch sein, da ihr nicht einmal imstande seid, das Licht wieder herbeizuschaffen, wenn sogar ich das tun kann.«
Darauf wurden die Zauberer sehr ärgerlich, prügelten ihn und warfen ihn aus dem Haus heraus. Dieser arme Waisenknabe war nun wie jeder andere Knabe, aber wenn er ein schwarzes Kleid, das er hatte, anzog, wurde er in einen Raben verwandelt und blieb ein solcher, bis er das Kleid wieder auszog.
Nachdem die Zauberer den Knaben aus dem Haus geworfen hatten, ging er im selben Dorf ins Haus seiner Tante und erzählte ihr, was er ihnen gesagt und wie sie ihn geschlagen und hinausgeworfen. Dann bat er sie, ihm doch zu sagen, wo die Sonne und der Mond hingekommen seien, denn er wolle ihnen nachgehen.