Rasend stürzte Pi-tikh-cho-lik aus dem Haus; vor Trauer klagend und aus Ärger schrie er: »Wenn irgendwelche böse Geister das getan haben, so fürchte ich mich gar nicht vor ihnen; sie sollen nur kommen und versuchen auch an mir Rache zu nehmen; ich hasse und verachte sie!« Alles blieb ruhig. »Wenn irgend ein Rachegeist, Mensch oder Tier, das getan hat, so soll er nur aus seinem Versteck herauskommen und«, so brüllte er, »es wagen, einem Mann Trotz zu bieten, der ihm das Herz herausreißen und sein Blut trinken wird! Oh, elendiger Nichtsnutz!«
Wie zur Antwort darauf hörte er vom Hügel her ein tiefes Gebrumm und sah dort einen roten Bären aufrecht auf seinen Hinterfüßen stehen und seinen Körper vor- und zurückneigen. Das war Ta-ku-ka, die sich ins Bärenfell eingewickelt, und um sich vor Pfeil- oder Speerwunden zu schützen, darunter an jede Körperseite flache Steine gelegt hatte.
Pi-tikh-cho-lik sah sie und glaubte, es sei wirklich ein Bär und begann alle Schimpfnamen, die er sich nur ausdenken konnte, zu rufen, während er rasch einen Pfeil auf den Bogen legte und ihn losschoß. Der Pfeil traf auf einen der Steine und fiel unschädlich herab; der Bär wandte ihm die andere Seite zu. Wieder schoß er einen gutgezielten Pfeil ab und wieder war er wirkungslos. Da rutschte der Bär den Abhang zu ihm herunter und als Pi-tikh-cho-lik dem Bären den Speer in die Flanke stieß, zerbrach er ihm in der Hand. In ein paar Augenblicken hatte der Bär ihn leblos niedergeworfen, ihm das Herz herausgerissen und es aufgefressen. Daraufhin schien die Raserei, die Ta-ku-ka ergriffen hatte, sie zu verlassen und ihre besseren Gefühle kamen wieder zurück. Sie versuchte das Bärenfell abzustreifen, aber es saß so fest an ihr, daß es ihr nicht gelang.
Auf einmal erinnerte sich Ta-ku-ka ihrer Kinder zuhause; sie nahm von der Hügelspitze ihren Korb mit den Beeren und machte sich nach ihrer Wohnung auf den Weg. Als sie so dahinging, bekam sie plötzlich Angst vor ihrem merkwürdigen Blutdurst, in den sich Gedanken an ihre Kinder mischten. Sie lief weiter, kam endlich zum Haus und lief hinein. Die beiden Kinder schliefen, und als sie Ta-ku-ka sah, überkam sie wieder unbezähmbare Blutgier und sie riß sie augenblicklich in Stücke. Dann ging sie hinaus und schweifte im Land umher, voll Gier, einen jeden, der ihr entgegenkam, umzubringen.
Bis dahin waren die roten Bären harmlos gewesen, aber Ta-ku-ka pflanzte ihnen ihre eigene Leidenschaft ein, sodaß sie seither ganz wild geworden sind. Zuletzt kam sie an den Kuskokwimfluß und wurde von einem Jäger getötet, dessen Pfeil doch einen Weg durch einen Sprung in einem der Steine an ihrer Seite gefunden hatte.
[Der rote Bär]
In der Tundra südlich der Yukonmündung lebte einst ein Waisenknabe mit seiner Tante. Sie waren ganz allein und eines Sommertags nahm der Knabe seinen Kajak und fuhr weg, um zu sehen, wo die Leute am Yukon lebten, von denen er gehört hatte. Als er an den Fluß kam, fuhr er ihn hinauf, bis er ein großes Dorf erreichte. Dort legte er an und die Bewohner liefen hinunter zur Küste, packten ihn, brachen sein Kajak in Stücke, rissen ihm die Kleider vom Leib und schlugen ihn fürchterlich.
Bis zum Ende des Sommers wurde der Knabe dortbehalten, als Zielpunkt ständiger Prügel und schlechter Behandlung. Im Herbst faßte einer der Männer Mitleid zu ihm, baute ihm einen Kajak und sandte ihn nachhause, wo er dann nach langer Abwesenheit eintraf. Als er zu Hause ankam, sah er, daß um das Haus seiner Tante ein großes Dorf entstanden war. Nachdem er gelandet, ging er zum Haus seiner Tante, trat ein und erschreckte sie sehr, da er wie ein Skelett aussah, weil er so lange gehungert hatte und so viel geschlagen worden war.
Als seine Tante ihn endlich wiedererkannte, erzählte er seine Geschichte mit wehleidigen Worten, statt mit solchen des Ärgers über die grausamen Dorfbewohner. Nachdem er die Erzählung seiner Leiden beendet, sagte sie ihm, er solle ihr ein Stück Holz bringen. Das tat er auch. Daraus schnitzten sie ein kleines Tier mit langen Zähnen und scharfen Klauen und bemalten es an den Seiten rot und weiß an der Kehle; dann trugen sie das Tier ans Ufer der Bucht und setzten es ins Wasser. Dann beschwor es die Tante zu gehen und in dem Dorf, wo ihr Knabe gewesen, jeden, den es finde, zu töten.