Das Schnitzwerk bewegte sich aber nicht und die Frau nahm es aus dem Wasser, beschimpfte es, ließ ihre Tränen auf es herunterfallen und setzte es dann wieder ins Wasser mit den Worten: »Jetzt geh und bring die schlechten Leute um, die meinen Buben geschlagen haben.« Darauf schwamm das Tier über die Bucht und kroch am anderen Ufer hinauf, wo es zu wachsen begann und bald ein roter Bär von ziemlicher Größe wurde. Er wandte sich um und sah die alte Frau an, bis sie ihm zurief zu gehen und ja niemanden zu schonen.
Dann ging der Bär fort, bis er zum Dorf am großen Fluß kam. Er traf da einen Mann, der gerade um Wasser ging und zerriß ihn sogleich in Stücke; dann blieb der Bär in der Nähe des Dorfes, bis er mehr als die Hälfte aller Leute getötet hatte und die anderen sich vorbereiteten, es zu verlassen, um dem Verderben zu entgehen. Der Bär schwamm darauf über den Yukon zum weiter entfernten Kuskokwimfluß und tötete jeden, den er sah, denn selbst das geringste Lebenszeichen versetzte ihn in Raserei, bis es vernichtet war. Vom Kuskokwimfluß kehrte der Bär wieder zurück und stand eines Tags wieder am anderen Ufer der Bucht, wo er einst belebt worden war. Als er am drüberen Ufer die Leute sah, wurde er wieder wild, riß mit seinen Krallen den Boden auf, knurrte und begann dann über die Bucht zu setzen. Als die Dorfbewohner dies sahen, erschraken sie sehr, liefen herum und sagten: »Der Hund der alten Frau ist da; wir werden alle getötet werden; sagt der Frau, sie soll ihren Hund aufhalten!« Sie schickten sie, den Bären zu empfangen. Der Bär versuchte nicht sie zu verletzen, sondern ging vorbei, um die anderen Leute zu erwischen, sie hielt ihn aber an seinen Nackenhaaren und sagte: »Laß diese Leute in Ruhe, die waren zu mir freundlich und gaben mir Essen, wenn ich hungrig war.«
Danach führte sie den Bären in ihr Haus, setzte sich, sagte ihm, daß er ihren Auftrag gut ausgeführt und sie zufriedengestellt habe; er solle jetzt aber die Leute nicht mehr angreifen, außer, wenn sie versuchten, ihn zu mißhandeln. Nachdem sie ihm das gesagt, führte sie ihn zur Tür und schickte ihn weg in die Tundra. Seit dieser Zeit gibt es rote Bären.
[Der Feuerball]
Vor langer Zeit lebte in dem Dorf Kin-i-gim ein armer Waisenknabe, der niemanden hatte, der für ihn sorgte, von jedermann schlecht behandelt wurde, und auf Geheiß der Dorfbewohner immer dahin und dorthin laufen mußte. Eines Abends wurde er aus dem Haus geschickt um zu sehen, wie das Wetter sei. Er hatte keine Fellschuhe und da es Winter war wollte er nicht gehen, wurde aber doch hinausgejagt. Er kam gleich wieder zurück und sagte das Wetter habe sich nicht geändert. Daraufhin sandten ihn die Leute wieder mit demselben Auftrag hinaus, bis er schließlich zurückkam und erzählte, er habe einen großen Feuerball, wie den Mond, über einem nahen Hügel aufsteigen gesehen. Die Leute lachten ihn aus und schickten ihn wieder hinaus und da sah er, daß das Feuer herangekommen und schon ganz in der Nähe war. Da lief der Waisenknabe hinein, erzählte, was er gesehen und versteckte sich, denn er hatte Angst.
Bald darauf sahen die Leute eine Feuergestalt vor der Haut, die die Dachluke verschloß, herumtanzen und gleich darauf schlich auf den Knien und Ellbogen ein Menschengerippe durch den Eingang in den Raum.
Wie das Gerippe herankam, machte es eine Bewegung gegen die Leute, wodurch sie gezwungen waren, in der gleichen Stellung, wie das Gerippe, auf Knie und Ellbogen zu fallen. Es wandte sich nun um und kroch, wie es gekommen war, von den Leuten, die ihm nachgehen mußten, gefolgt, hinaus. Draußen kroch es weiter zum Dorf hinaus, noch immer gefolgt von den Leuten: bald darauf verschwand es und alle waren tot. Einige Dorfbewohner waren nicht dagewesen, als das Gerippe, der Tunghak, gekommen war und als sie zurückkamen, sahen sie überall Leichen herumliegen. Als sie ins Haus gingen, fanden sie den Waisenknaben und der erzählte, wie die anderen umgekommen waren. Sie verfolgten dann die Spuren des Tunghak und kamen jenseits des Hügels an ein uraltes Grab, bei dem die Spuren endeten.
Einige Tage darauf ging der Bruder eines der toten Männer aufs Meereis hinaus, ziemlich weit weg vom Dorf, um zu fischen. Er blieb lange und die Dunkelheit überraschte ihn, als er noch weit draußen war. Als er so dahinging, erschien plötzlich der Tunghak vor ihm und lief immer auf seinem Weg hin und her. Der junge Mann versuchte an ihm vorüberzukommen und zu entfliehen, konnte es aber nicht, denn der Tunghak blieb immer vor ihm und tat immer dasselbe wie er. Als ihm nichts mehr einfiel, nahm er plötzlich einen Fisch aus seinem Korb und warf ihn auf den Tunghak. Als er den Fisch herauszog war er steif gefroren, aber als er in die Nähe des Tunghak kam, kehrte er plötzlich um und fiel über die Schultern des Jünglings zurück in den Korb und schlug darin herum, denn er war wieder lebendig geworden.