Jetzt zog der Fischer einen seiner Hundsfellfäustlinge aus und warf ihn hin. Wie der nun in der Nähe des Tunghak niederfiel, wurde er ein Hund, der das Gespenst anbrummte und anknurrte und so seine Aufmerksamkeit auf sich lenkte, so daß der Mann vorbei und so schnell er nur konnte zum Dorf lief. Als er ein Stück Wegs zurückgelegt hatte, wurde er wieder vom Tunghak aufgehalten und gleichzeitig sprach eine Stimme von oben: »Bind ihm doch seine Füße auseinander, sie sind mit einer Schnur zusammengebunden.« Er hatte aber zu große Angst, um das auszuführen. Er warf also lieber noch einen anderen Fäustling und auch der verwandelte sich in einen Hund, der wie der erste den Tunghak aufhielt.
Der Jüngling lief so rasch er konnte davon und fiel erschöpft bei der Haustür nieder, als auch schon der Tunghak kam. Der ging, ohne ihn zu bemerken, knapp an ihm vorüber ins Haus hinein, fand aber niemand drin und kam wieder heraus. Der junge Mann stand nun auf und ging hinein; er wagte es aber nicht, was er gesehen hatte seiner Mutter zu erzählen. Am folgenden Tag ging er wieder fischen und stieß unterwegs auf einen Mann, der am Weg lag. Seine Hände und sein Gesicht waren ganz schwarz. Als er näher kam, forderte ihn der schwarze Mann auf, ihm auf den Rücken zu steigen und die Augen zu schließen. Er folgte und bald darauf durfte er die Augen wieder öffnen. Als der Jüngling dies tat, sah er gerade vor sich ein Haus und in dessen Nähe ein schönes junges Weib. Sie sprach zu ihm: »Warum hast du vorige Nacht nicht getan, wie ich dir geraten, als der Tunghak dich verfolgte?« Er antwortete, daß er sich gefürchtet habe. Das Weib gab ihm dann einen zauberkräftigen Stein als Talisman, der ihn in Hinkunft vor den Tunghak schützen sollte und dann nahm ihn der schwarze Mann wieder auf den Rücken und als er die Augen öffnete, war er zu Hause.
Seit dieser Zeit wollte der junge Mann als Zauberer angesehen werden, dachte aber immer nur an das schöne Weib, das er gesehen hatte, so daß er nicht viel Kräfte besaß. Schließlich sagte sein Vater zu ihm: »Du bist gar kein Zauberer! Du machst mir nur Schande; geh wo anders hin!« Am nächsten Morgen verließ der Jüngling bei Tagesanbruch das Dorf und man hat nie wieder etwas von ihm gehört. –
[Die Auswanderung der Sagdlirmiut]
In der Gegend von Ussualung gibt es zwei Orte: Qerniqdjuaq und Echaluqdjuaq. In jedem dieser Orte war ein großes Haus, in dem viele Familien zusammenlebten. Wenn sie im Sommer Renntiere jagten, so pflegten sie sich zusammenzugesellen, im Herbst aber kehrten sie in ihre Häuser zurück.
Einmal hatten die Leute von Qerniqdjuaq viel Erfolg, während die von Echaluqdjuaq kaum ein Tier gefangen hatten. Daher waren die letzteren sehr ärgerlich und beschlossen, die andere Partei zu töten, wollten damit aber noch bis zum Winter warten. In ziemlich vorgerückter Jahreszeit wurden dann noch viele Renntiere erlegt und aufgespeichert; mit Schlitten sollten sie dann in die Winterlager gebracht werden.
Eines Tags bereiteten sich beide Parteien zu einer Ausfahrt nach diesen Vorräten vor und die Echaluqdjuaq-Männer beschlossen, bei dieser Gelegenheit ihre Feinde umzubringen. Sie zogen mit ihren Hunden und Schlitten ab und als sie schon ziemlich über Land waren, griffen sie ihre nichtsahnenden Genossen an und töteten sie. Aus Furcht, die Frauen und Kinder der Ermordeten könnten Verdacht schöpfen, wenn die Hunde ohne ihre Herren zurückkehrten, töteten sie diese auch noch. Bald darauf kehrten sie heim und sagten sie hätten die andere Partei verloren und wüßten nicht was mit ihr geschehen sei.
Ein junger Echaluqdjuaq war der Liebhaber eines Mädchens der Qerniqdjuaq und pflegte sie allnächtlich zu besuchen. Auch jetzt stellte er seine Besuche nicht ein. Er wurde von ihr freundlich aufgenommen und legte sich mit ihr schlafen.