Der Knabe ging zurück in des alten Mannes Haus und als Outakalawaping wieder sagte: »Warum ißt du den Rockschoß deiner Mutter?« erwiderte er: »Warum hast du deine erste Frau in die Eisspalte gesteckt? Warum hast du sie in die Meereisspalte gesteckt?« Da sprang der alte Mann auf und wollte den Knaben fangen; der lief aber weg. Die beiden liefen lange Zeit, bis sie sich in den Himmel erhoben und zwei Sterne wurden; aber der Waisenknabe wird auch da noch immer vom alten Mann verfolgt.
[Die Eule und der Rabe]
Die Eule und der Rabe waren dicke Freunde. Eines Tags machte der Rabe für die Eule ein neues, schwarz und weiß gesprenkeltes Kleid. Diese aber machte dafür dem Raben ein Paar Schuhe aus Walknochen und begann dann auch noch ein weißes Kleid für ihn zu machen. Als sie aber daran war, es anzuprobieren, fing der Rabe an herumzuhüpfen und wollte nicht stillhalten. Die Eule wurde ärgerlich und sagte: »Jetzt sitz still, oder ich werde die Lampe über dich gießen!« Da der Rabe aber fortfuhr, herumzuhüpfen, wurde die Eule wütend und goß den Tran über ihn. Da schrie der Rabe »Yaq! Yaq!« und seit diesem Tag ist er ganz schwarz.
[Der Rabe nimmt ein Weib
(Geschichten vom Raben Tu-lu-kau-guk II.)]
Lange Zeit lebte der Rabe allein, aber schließlich hatte er doch genug davon und beschloß ein Weib zu nehmen. Er sah sich also um und bemerkte, daß es schon spät im Herbst war und die Vögel schon in großen Scharen südwärts zogen. Der Rabe flog weg und hielt an auf dem Weg, den die Gänse und anderes Wildgeflügel auf ihrem Zug nach dem Sommerland eingeschlagen hatten. Er beugte sein Gesicht, sah auf die Füße herab und rief aus: »Wer will mich zum Gatten? Ich bin ein schöner Mann!« Ohne ihn zu beachten, flogen die Gänse weiter und der Rabe sah ihnen nach und seufzte. Bald danach flog eine schwarze Brandgans vorbei und der Rabe rief wie vorhin – und mit dem gleichen Erfolg. Er blickte ihr nach und rief: »Ah, was sind das für Leute! Die warten nicht einmal, um mir zuzuhören.« Er wartete weiter und eine Ente flog in der Nähe vorbei; als der Rabe sie anrief, sah sie sich ein wenig nach ihm um, flog dann aber weiter. Einen Augenblick schlug sein Herz voll Hoffnung etwas rascher, aber als auch die Ente vorbei war, rief er: »Ah, dann werde also ich näher kommen; vielleicht, daß das nützt.« Er blieb gesenkten Hauptes stehen und wartete weiter.
Bald darauf kam eine ganze Schneegänsefamilie, die Eltern, vier Brüder und eine Schwester, und der Rabe rief hinauf: »Wer will mich zum Gatten? Ich bin ein guter Jäger, jung und geschickt.« Als er das gesagt, ließen sich die Schneegänse knapp neben ihm herab und er dachte sich: »Jetzt werde ich eine Frau bekommen!« Nun sah er sich um und bemerkte einen schönen, weißen durchlochten Stein. Er hob ihn auf, band ihn an einen Grashalm und hängte ihn um den Hals. Nachdem er das getan, schob er den Schnabel hoch, wie eine Maske, daß er auf den Scheitel des Kopfes rutschte und verwandelte sich so in einen schwarzen jungen Mann, und schritt auf die Gänse zu. Zugleich hatten auch die Gänse ihre Schnäbel hinaufgeschoben und waren in gut aussehende Leute verwandelt worden. Dem Raben gefiel der Blick des Mädchens sehr und er ging auf sie zu, gab ihr den Stein und erwählte sie so zu seiner Frau und sie hängte ihn sich um den Hals. Dann schoben alle ihre Schnäbel herunter, wurden wieder Vögel und flogen nach Süden weiter.
Die Gänse schlugen langsam ihre Flügel und arbeiteten sich gemächlich weiter. Der Rabe aber glitt mit seinen weitausgebreiteten Schwingen schneller als seine Gefährten dahin und die Gänse sahen ihm nach und riefen voll Bewunderung: »Wie leicht und anmutig ist er doch!« Mit der Zeit wurde der Rabe müde und sagte: »Es wäre besser, wir machten zeitig halt und sähen uns nach einem Schlafplatz um.« Die anderen waren damit einverstanden und so machten sie halt und schliefen bald ein.