Das Grauchen war sehr bösartig und schlecht gegen die anderen Pferde, biß und schlug sie und riß sich von ihnen los, und das Ende vom Liede war, daß keins der anderen Pferde sich seiner erwehren konnte. Die Leute, denen es gehörte, hielten das für einen großen Schaden, und sie wurden darüber einig, ihm um so größere Lasten aufzuerlegen, aber das half wenig. Es trug seine doppelte Last mit derselben Leichtigkeit, mit der es seine früheren Bürden getragen hatte, und es hörte mit seinen Unarten nicht eher auf, bis es alle übrigen Pferde verjagt hatte und allein zurückblieb.

Da nahm der Alte das Pferd und lud ihm eine ebenso große Bürde auf den Rücken, wie man vorher sämtlichen Pferden zusammen zu tragen gegeben hatte, und ging dann hin und her mit dem Pferd, das sich nun ganz ruhig verhielt. Auf diese Weise brachte er alles, was zur Ausbesserung der Umzäunung gebraucht wurde, heran. Als er aber mit der Arbeit fertig war, nahm er dem Pferd den Zaum ab und schlug es damit auf die Lenden, indem er es losließ. Das gefiel dem Grauchen aber nicht besonders; es schlug hinten aus und stieß mit beiden Hinterbeinen in das Stück der Umzäunung, das im Laufe des Tages aufgeführt worden war; dadurch fiel ein großes Stück der Einfriedigung heraus, und wie oft man auch später das Loch ausfüllte, es wollte doch nie recht halten, weshalb hernach an dieser Stelle eine Zauntür zur Kirche angebracht wurde.

Das letzte aber, was man von dem Treiben des Pferdes sah, war, daß es einen Sprung machte, sobald es sich frei fühlte, und es hörte nicht auf, bis es in den Holtesee untergetaucht war.

Und da begriffen alle, daß es der Nöck gewesen war.

Kort aus Mödruvold und das Meerungeheuer

Kort war einmal, wie er zu tun pflegte, auf dem Winterfischfang und hatte in dieser Zeit mit mehreren Fischern seinen Aufenthalt in einer Seebude unten am Wasser. Die Tür wurde mit einem Schloß verschlossen, das sich nur mit einem Schlüssel aufschließen ließ.

Eines Nachts geschah es, nachdem sie am Abend zuvor die Tür von innen zugeschlossen hatten und alle eingeschlafen waren, daß Kort träumte, daß ein Ungeheuer in die Bude käme und ihn bei der Hand faßte. Es schien ihm dann so, als ob er aufstünde und mit ihm unter das Bett kröche, und von dort zerrte ihn das Ungeheuer durch die Wand hinaus; das war aber ein unbequemer Weg, fand er. Dann führte ihn das Ungeheuer an den Strand und bis zum Flutmesser hinunter, und da merkte er, daß es ihn in die See locken wollte, dann aber träumte er, daß er im Schlaf wie rasend wurde, was er manchmal zu werden pflegte, und daß er das Ungeheuer unsanft anpackte. Der Schluß ihres Kampfes war, daß Kort den Sieg davontrug und es in die See stieß.

In demselben Augenblick erwachte er, und da stand er unten am Flutmesser in seinen Unterkleidern, in denen er sich abends zur Ruhe gelegt hatte. Sein erster Gedanke war, daß er im Schlaf dorthin gewandelt sein müßte; als er aber nach Hause an die Bude kam und die Tür verschlossen fand, wie sie sie abends verlassen hatten, so daß er nicht hineinkommen konnte, ehe er seine Kameraden geweckt hatte und sie ihm aufgeschlossen hatten, begann ihm klar zu werden, daß hier andere Künste als nur das Schlafwandeln mit im Spiel gewesen waren, und daß es in Wirklichkeit zugegangen war, wie er geträumt hatte.

Bischof Brynjolf

Als Bischof Brynjolf einmal in Skalholt auf einer Rundreise war, schlug er sein Zelt an einem Berg auf. Er hatte vier oder fünf Mann im Gefolge. Nachts erwachte der Bischof davon, daß eine über die Maßen große Hand durch das Zelt gestreckt und draußen gesagt wurde: »Ein Zelt für einen Bauern, einen bäurischen Mann!« Der Bischof sah, daß eine Riesin gekommen war und zwar keine von den kleinsten. Er sagte ihr, daß sie dasjenige von seinen Pferden, das er ihr näher bezeichnen würde, nehmen und behalten sollte. Da ging die Riesin ihres Weges und nahm das Pferd mit. Sie warf es so leicht über die Schultern, als wäre es ein Schaf und stapfte auf den Berg hinauf.