[7] Isl. »Sending« heißt der Spukgeist oder das Gespenst, das abgesandt wird, um jemanden zu töten.
Der Sending
Eine Frau saß einmal bei ihrer Arbeit in der Badstube. Außer ihr waren weiter keine Leute auf dem Hof; denn der Bauer war wegen irgendeiner Besorgung von zu Hause fortgegangen, und das Gesinde war draußen beschäftigt. Da trat ein Junge in die Badstube ein, klein von Wuchs, aber sehr feist. Er fragte die Frau, wo der Bauer sei, sie beeilte sich jedoch nicht, es zu sagen, denn der Junge gefiel ihr nicht. Da fragte er nochmals nach dem Bauern, mit dem er, wie er sagte, ein ernstes Wort zu reden habe, und er könne nicht verweilen. Die Frau fragte ihn, was für einen Auftrag er denn habe, und ob sie ihn nicht entgegennehmen könne. Als der Junge hierauf »Nein« erwiderte, sagte die Frau: »Ich glaube nicht, daß so ein Pfropfen wie du viel unter den Händen meines Mannes zu tun hat. Oder kannst du etwa größer werden, als du jetzt bist?« Der Junge sagte, das könne er schon. Sie bat ihn um eine Probe davon, sonst glaube sie ihm nicht. Da wuchs der Junge allmählich, bis er so groß wie ein Troll wurde und bis an die Decke reichte. Die Frau sagte, daß man ihn kaum dort einfange, wo man ihn hinsetze, und sie bat ihn, nun wieder so zu werden, wie er vorher gewesen sei. Das tat er. Da fragte ihn die Frau, ob er sich in demselben Verhältnis klein wie groß machen könne und wünschte, eine Probe zu sehen. Dazu sagte er ja, und allmählich wurde er nun kleiner, bis er die Größe eines Sperlings erreicht hatte. Da holte die Frau ein kleines Fläschchen hervor und fragte ihn, ob er sich so klein machen könne, daß er da hineinginge. Sofort verwandelte er sich in eine Fliege und kroch in das Fläschchen hinein; die Frau war nicht faul und spannte ein Kalbshäutchen über die Flasche, und nun mußte sich der Gesell damit abfinden, darin zu kauern.
Als der Bauer nach Hause kam, gab ihm die Frau die Flasche und erzählte ihm alles. Er freute sich über die List seiner Frau, nahm die Flasche und ging mit ihr fort; was aber aus ihr geworden ist, erfuhr später niemand.
Der Eheteufel
Auf Geirmundstad im Skagefjord wohnte einmal ein Ehepaar, das im Gemüt nicht übereinstimmte; man erzählte allerdings, daß die Frau einem anderen Manne gut sei, der das seinige tat, um das gute Verhältnis zwischen ihr und ihrem Eheherrn zu stören. In dieser Absicht verzauberte er einen Teufel dazu, die Gestalt eines Hundes anzunehmen; er war von torfbrauner Farbe, und er schickte ihn nach Geirmundstad, um dort Eheteufel zu sein.
Bei den Eheleuten auf Geirmundstad hielt sich eine alte Frau auf; sie beobachtete, daß jedesmal, bevor die Eheleute in Streit gerieten, ein torfbrauner Hund in die Badstube trat, durch das Zimmer ging und die Schnauze zwischen das Ehepaar auf das Bett legte, auf dem es saß, und ganz unheimlich zu heulen begann. Als der Hund damit fertig war, war es stehende Regel, daß Mann und Frau in Zank gerieten. Die alte Frau sprach mit dem anderen Gesinde über den Vorläufer der Zänkerei des Ehepaares, den sie sah, und sie waren alle miteinander darüber einig, daß sie der Hausfrau ihr Gesicht erzählen solle, um zu sehen, ob sie nicht dadurch Frieden zwischen den Eheleuten stiften könne, die im Grunde bei all ihren Leuten sehr beliebt waren.
Einmal sprach die Alte, die geistersehend war, mit ihrer Herrin und hielt ihr das Unchristliche vor, daß Mann und Frau in solcher Zwietracht miteinander lebten. Anfangs wollte die Hausfrau nichts davon hören, die Alte aber sagte, daß sie sich sicher mehr Mühe geben würde, bösen Zank mit ihrem Manne zu vermeiden, wenn sie nur wüßte, woher ihre Uneinigkeit käme. Sie erzählte ihr dann alles und bat sie eindringlich, ihrem Manne ja in allem nachgiebig zu sein, damit sie den Teufel nicht mehr mit ihrem häßlichen Streit ergötze. Die Hausfrau versprach ihr, alles zu tun, was in ihrer Macht stände.
Da kam es so, daß sich das Verhältnis der Eheleute zu einander mit jedem Tage besserte, denn die Frau gab ihrem Manne gegenüber immer nach, und schließlich wurde ihr Zusammenleben sehr liebevoll.
Da sah man aber auch nichts mehr von dem Torfbraunen.