Als der Alte Platz genommen hatte, wurden ihm gebackene Fische, Fleisch, Kuchen und allerlei Leckerbissen vorgesetzt, so viel und so schön und gut wie er noch nie in seinem Leben gesehen, viel weniger denn gegessen hatte. Dazu wurde eine herrliche Musik gemacht und muntere Sperlingweibchen und Sperlingfräulein führten einen kunstvollen Tanz auf. Kurz, der alte Mann kam aus dem Staunen garnicht heraus und glaubte im Himmel zu sein, so schön erschien ihm dies alles, ihm, der bisher zwar nicht gehungert, wohl aber kümmerlich in Not und Sorge gelebt hatte.

Zum großen Leidwesen aller ging auch dieses schöne Fest, wie alles in der Welt, einmal zu Ende und der Mann verabschiedete sich unter vielen Dankesworten von den gastfreundlichen und dankbaren Sperlingen. Der Sperling aber, den der Mann gepflegt hatte, führte ihn noch in ein Zimmer und zeigte ihm zwei Lackkästen, der eine groß, der andere klein, und sagte ihm: „Damit du nicht leer nach Hause kommst, wähle dir einen dieser beiden Kästen zur Erinnerung an mich!“

Der Alte dachte, den großen zu nehmen wäre unbescheiden; „auch bin ich alt und schwach und kann den kleinen besser tragen.“

Also wählte er den kleinen Kasten und nahm ihn auf den Rücken, indem er dem Sperling nochmals für alles Gute und Schöne, das er gesehen und genossen hatte, bestens dankte. Der Sperling begleitete ihn noch ein Stückchen Wegs und als er sich von dem alten Manne am Rande des Waldes verabschiedete, warnte er ihn, unterwegs den Kasten zu öffnen. Er dürfe ihn erst zu Hause öffnen. Der Alte versprach es; während er nun seines Weges dahinschritt, wurde der Kasten auf seinem Rücken immer schwerer, so daß er ihn kaum zu tragen vermochte und mehrmals in Versuchung kam, ihn abzusetzen und zu sehen, was darinnen sei; aber er gedachte der Warnung des Sperlings und schritt tapfer weiter, bis er endlich ganz erschöpft bei seinem Hause ankam. Hier empfing ihn seine Frau mit Scheltworten und hieß ihn einen Nichtstuer und Herumtreiber.

Als der Mann ihr aber erzählte, wie es ihm ergangen sei, da wurde sie sehr neugierig und beide öffneten den Kasten.

Man denke sich die Freude! Der Kasten war bis obenan mit Gold und Edelsteinen und kostbaren Dingen gefüllt. Nun hatte alle Not ein Ende. Der Alte mußte nochmals sein Erlebnis ganz genau erzählen. Als die Frau hörte, daß er von den beiden Kästen den kleineren gewählt habe, da wurde sie ganz bleich vor Ärger und Wut und schrie den Alten an: „Du bist und bleibst ein dummer Kerl! Nein solche grenzenlose Dummheit ist mir noch nie vorgekommen, einen kleinen Kasten zu nehmen, wenn du einen großen erhalten kannst. Gleich trägst du den Kasten zurück und holst den größeren!“

„Dann wäre ich wirklich dumm“, erwiderte der Alte, „das, was wir jetzt haben, reicht für unser Leben aus, ja, es ist mehr als zuviel. Was sollen wir mit noch größerem Reichtum. Ich bin vollständig zufrieden und glücklich!“

Da wurde die Frau noch böser und rief: „Dann sei du es, ich will aber den großen Kasten unbedingt haben und werde ihn mir selbst holen!“

Kaum hatte sie dieses gesagt, da war sie auch schon zum Hause hinaus und auf dem Wege zum Sperlingsheim.