16. Grünspecht. – In der Nähe von Wald hin und wieder sich einstellender Alleevogel ohne größere Bedeutung für sein Wohngebiet.

17. Wendehals. – Ein zwar häufig in Obstalleen sich einstellender, für diese aber, da er die Nahrung zu einem großen Teil am Boden einsammelt – bei einem Pärchen beobachtete ich ausschließlich diese Art der Nahrungssuche – wirtschaftlich nicht bedeutender Brutvogel. –

Nachdem in der vorstehenden Zusammenstellung vorwiegend die wirtschaftliche Bedeutung unserer Alleevögel betont worden ist, sei wenigstens am Schlusse kurz auch noch auf ihre ideellen, der wirtschaftlichen Bedeutung durchaus nicht nachstehenden Werte hingewiesen. Unsere Vogelwelt vor allem ist es ja, die in das mitunter große Einerlei vieler unserer Straßen erst den belebenden Ton trägt, und sie wird das in einer um so größeren Weise tun, je artenreicher und mannigfaltiger sie sich hier entfalten kann. Darum wollen wir uns auch über die Anwesenheit der Arten freuen, deren wirtschaftliche Bedeutung hinter der der anderen zurückbleibt.

Das Tännichttal im Tharandter Wald

Von Stadtbaurat Rieß, Freiberg

Aufnahmen von K. Reymann, Freiberg

Lange hatte während des Krieges und im bösen Jahr darauf mein treues Rad gerastet. Heute lacht so frisch der Sonnenstrahl des taufrischen Sommermorgens und lockt hinaus, daß ich nicht widerstehen kann.

Hinaus aus den alten Mauern und drückender Enge, hineinfliegen auf flüchtigem Rade in die blaue Sonnenwelt, als wäre ich ein Vogel mit jungen Schwingen, der sein Lied jubelnd zur strahlenden Höhe trägt. Die wuchtige Stadtmauer Alt-Freibergs mit ihren Türmen und der Graben mit seinen grünen Bäumen, das alte, mächtige Bollwerk des Donatsturmes gleiten an mir vorüber. Leb wohl, du alter, fester Kumpan mit deinem spitzen Kegeldach, heute treibt’s in die Ferne mich mächtig hinaus. Und ihr Dohlen dort oben, die ihr dort flattert und schwebt, und mit hellem Rufe freudig im Schwarme in dem blauen Äther euch schwingt, heute neide ich euch nicht, heute bin ich selbst ein freier, wilder Vogel! Meine Seele ist ein Vogel, der über allen Tiefen schwebt und tief das Glück eines freien Sonnentages spürt. – Die Straße ins Muldental hinab fliegt das Rad, daß ein Jauchzen aus der Brust wie ein lachender, springender Brunnen emporsteigt. Halli und Hallo! Die Sommerwelt ist mein, die rechts und links an mir vorüberstürmt, die grünen Hänge, die saftigen Wiesen, und dort der rauschende Fluß im tiefen Grunde, mit seinen weißen Schaumflocken auf dunklem, sprudelndem Wasser, die Heimat ist mein, denn meine Seele ist ihr offen, sie ist mein, denn sie gibt sich mir, weil ihrem Zauber sich meine Seele gibt.

Jenseits geht es steil bergauf. Steinig und heiß ist der Pfad, das Geröll rutscht unter dem Fuß und die glimmerblinkenden Gneisplatten flimmern wie Silber. Rötlich blüht schon das Heidekraut in dichten Polstern am Wege. Auf der Höhe schöpft die Brust tief Atem und dann wandern die Augen hinab ins tiefe Tal und dort nach den Höhen, wo die Halden und Bergwerke, Alt-Freibergs Wahrzeichen und Hünenmale des Bergbaues, sich türmen, und weit in die blaue Ferne, wo die duftigen Linien der Berge in unendlicher Zartheit sich am Horizonte dehnen. Doch nun wieder vorwärts, dem Walde entgegen, in dessen grünem Meere ich untertauchen will. Über breitem Höhenrücken geht die Fahrt. Die Felder reifen der Ernte entgegen. Wie lange noch, dann klingt die Sense und die Pracht sinkt vor dem Schnitter dahin. – Hast du Frucht gebracht? – –

Die Vogelbeerbäume schmücken sich schon mit roten Beeren. Wie lange noch, und die Drosseln ziehen, die Beeren fallen und liegen wie Blutstropfen am Straßenrande, und dann schnaubt der Schnee in mächtigen Wehen und Wirbeln gleich wilden, weißen Rossen über die Felder und hinter ihnen der eisige Ost mit scharfen Peitschenschlägen. – Wohl dem, der eine Heimat hat! – Doch heute weht ein süßer Duft wie Honig herüber. Ein blühendes Kleefeld strömt des Sommers ganze Lieblichkeit in Duft und Farbe in die blaue Luft. Ich steige vom Rade und lausche dem Liede des glühenden, blühenden Klees. Millionen von Bienen und anderen Insekten singen und summen in dem purpurnen Blütenmeer ihr Lebenslied, und taumeln von Kelch zu Kelch. Schwer und wonnig steigt der Duft des Feldes empor und ich trinke ihn mit tiefen Zügen, als wäre es ein alter, köstlicher Wein. Ein purpurner Teppich aus Duft und Licht, Farbe und Leben gewoben, auf dem nur die Sonnenstrahlen mit leichten, schwebenden Füßen dahingleiten dürfen. Ein Teppich, wie ein dunkler, purpurner Orgelton, den der Sommerwind leise dahinträgt, daß die Herzen stille werden. Als ob das heilige Herz der Mutter Erde unter ihnen schlägt, so geht geheimnisvolles Leben durch die Millionen Blütenköpfe. – O, du Heimatflur! – –