Colmnitz liegt hinter uns. Von der Höhe schauen wir noch einmal lange über den weiten Acker, über das Dorf hinweg, das sich mit seinen Häusern fast versteckt und tief in das Tal duckt. Dort drüben liegt der Wald im blauen Dufte, dort drüben, das Tal, dort drüben – dort drüben –


»Und meine Seele spannte

Weit ihre Flügel aus!«

Abb. 5 Blick über Colmnitz nach dem Walde mit dem Tännichttal

Gauernitz

Von A. Klengel, Meißen

Ein herrliches Stück Heimat zeigt sich dem Wanderer, der die neue Hochuferstraße von Niederwartha abwärts zieht oder an sonnigem Sommertage mit dem Elbdampfer an Gauernitz und Scharfenberg vorüberfährt. Zwei starke Gegensätze bieten sich hier seinem Auge. Hoch oben auf schroffem Berge liegen die Mauern der altersgrauen Feste Scharfenberg. Unten im Tale dagegen lugen die feingegliederten Renaissancegiebel des Schlosses Gauernitz zwischen den Baumriesen des Parkes hervor. Jedes kriegerischen Schutzes bar liegt das anmutige Schloß frei inmitten grüner Matten, dicht am Ufer des Elbstromes als ein Bild des Friedens. Es zeigt in seiner architektonischen Schönheit gar deutlich, daß es in einer späteren Zeit entstanden ist, die nichts mehr von den kriegerischen Drangsalen alter Tage wußte, die einst den trutzigen Nachbar auf steiler Bergeshöhe umbrausten.

Auf uraltem Kulturland stehen Schloß und Dorf Gauernitz. In der Umgebung aufgefundene vorgeschichtliche Überreste, so von einem in Sachsen äußerst seltenen sorbischen Skelettgrab neben der Gauernitzer Ziegelei, deuten darauf hin, daß die Landschaft spätestens in der Sorbenzeit besiedelt wurde. Auch der Name der Siedlung selbst läßt auf sorbische Gründung schließen. Er geht auf die Wurzel jawor, Ahorn, zurück und bezeichnet einen mit Ahornbäumen bestandenen Ort. Die Gestalt des Namens ist im Laufe der Jahrhunderte manchem Wechsel unterworfen gewesen. In Urkunden aus den Jahren 1312, 1348 und 1397 lautet er in seinen ältesten Formen Jauernycze und Jauernyk, 1402 Jauwirnicz, 1468 Yawirnicz, später Jevernitz und dann Gavertitz, Gäwernitz oder Gävernitz; die letzte Form blieb bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts erhalten und ist heute noch auf manchen Karten neben dem jetzigen Namen verzeichnet.