Bruno Lange war vom alten Schlage, fleißig und zuverlässig, bieder und schlicht, vaterlandstreu und heimatlieb. Was der Arbeiter des Heimatschutzes vor allen Dingen braucht: ein warmes treues Herz und ein offenes suchendes Auge, damit war Lange wohlgerüstet. So verstand er auch die bescheidenen Werte und Schönheiten der flachen Landschaft zu finden und zu würdigen. Es trieb ihn, seine Freude am schlichten Schönen mitzuteilen, sie seinen Schülern in mannigfaltigem Unterricht, bei Anleitung zur Handfertigkeit, beim Spiel und auf Spaziergängen anzuerziehen und auf die Öffentlichkeit aufklärend und anregend zugleich einzuwirken durch öffentliche Bildvorträge, durch Veröffentlichungen im Ortsblatte und durch Anregungen in Vereinen und in der Stadtvertretung. Eine Reihe guter Ansichtskarten von Strehla, die im Geschmack den bekannten Karten des Landesvereins nahekommen, ist auf seine Veranlassung in den Ortshandel gebracht worden. Alle solche Unternehmungen führte er durch in uneigennütziger Liebe zum Heimatstädtchen, ohne persönliche und geldliche Opfer zu scheuen.

Langes Freude am Schönen, sein Interesse war nicht engbegrenzt und einseitig auf das Heimatliche gerichtet – er verstand seinen Interessen- und Erfahrungskreis weit über das Durchschnittsmaß zu erweitern und zu vertiefen durch große Ferienreisen auch außerhalb Deutschlands: nach Skandinavien, Finnland, Rußland, dem Balkan (Ungarn, Siebenbürgen, Bosnien Herzegowina, Montenegro, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Konstantinopel), Nordafrika, nach Italien und nach der Schweiz. Diese Reisen hat er als schlichter Wanderer mit bescheidener Ausrüstung, aber mit um so köstlicherem Humor durchgeführt. Was er alles dabei gesehen und erlebt, schrieb er in mustergültiger Kurrentschrift nieder und hat wiederholt darüber an Hand von Lichtbildern öffentlich berichtet – die Kriegsjahre brachten ihm dazu manchen Anknüpfungspunkt.

Die Kenntnisse ferner und fremder Schönheiten konnten Bruno Langes Liebe zur engen Heimat, seine Freude am Heimatschutz, nur vertiefen. Es mag sein, daß seine fleißigen Arbeiten im Sinne des Heimatschutzes mehr ein örtliches als ein weitergehendes Interesse gefunden haben – möglich auch, daß Lange dieses letztere gar nicht gesucht hat. Es befindet sich aber in seinem Nachlaß fein säuberlich geordnet ein Stoß von ausgearbeiteten Aufsätzen, die eine weitere Würdigung wohl verdienen. Abgesehen von seinen vielen Reiseberichten und von einigen Arbeiten volkstümlichen und vaterländischen Inhaltes fand ich die Entwürfe zu drei Werbevorträgen für den Heimatschutz und ferner folgende Reihe von ortskundlichen Aufsätzen:

Dazu:

Anleitungen zu Spaziergängen an der Elbe, in die Sandgruben, auf den Käferberg, auf den Großen Steinberg, auf die Liebschützer Höhe und auf die Weidaer Höhe beim Ganziger Steinbruche.

Mag auch vielleicht der Stoff der Aufsätze mitunter etwas schulmäßig und trocken behandelt erscheinen, es steckt doch viel darin, was mehr wert ist, als weiter im bloßen Familienbesitz oder vielleicht einmal in einer Schul- oder Ortsbücherei vergraben zu bleiben. Es ist zu hoffen, daß sich noch Gelegenheit findet, den oder jenen Aufsatz oder Bruchstücke daraus in den Mitteilungen des Heimatschutzes eingehender zu würdigen.

Das letzte, was Bruno Lange wohl veröffentlicht hat, ist ein Büchlein »Strehla im Weltkriege«. Der Großstädter lächle nicht über das Thema. Strehla ist ein Städtchen von nur 3400 Einwohnern und hat eine stattliche Zahl von Söhnen ins Feld geschickt, von denen nach Langes Feststellungen 125 Mann gefallen sind; im ganzen hat Strehla mit acht Nachbardörfern 159 Söhne verloren. Und wenn Langes Büchlein allein diesen 159 Mann gewidmet wäre, dann wäre es schon wert, gewürdigt zu werden und Nachahmung zu finden. Es sind aber in dem Heftchen eine Reihe von Einzelheiten ernster und auch humoristischer Art enthalten, deren Aufzeichnung für die Ortsgeschichte wertvoll ist.

Den gefallenen Kriegern zu Ehren einen Heldenhain auf dem Gelände des alten Friedhofes zu schaffen, war eine von Langes Lieblingsideen; leider hat die dafür geleistete Vorarbeit bisher zu keinem greifbaren Ergebnis geführt.

Bei allen solchen Bestrebungen, die Lange doch mit der Öffentlichkeit in Berührung brachten, blieb er stets der Schlichte, Bescheidene; all dies Schaffen atmet Heimattreue und Heimatliebe und Dankbarkeit für das, was die Heimat gewährt. Nun ist es an der Heimat, ihm dankbar zu bleiben für das, was er außerhalb der Lehrtätigkeit für ihre Würdigung und zur Pflege der Ortskunde und des Heimatschutzes gearbeitet hat.