[5] Der vollkommene teutsche Jäger. Leipzig 1719.

Frau Lina Hähnle,

die Begründerin und erste Vorsitzende des Bundes für Vogelschutz, dessen Mitglieder über alle Gaue Deutschlands und weit über dessen Grenzen hinaus verbreitet sind, feierte am 3. Februar ihren 70. Geburtstag. Es ist eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir aus Anlaß dieses Festes der verdienstvollen, in allen Naturschutzkreisen wohlbekannten Frau ein paar Zeilen widmen.

Frau Hähnle entstammt, wie schon der Name andeutet – sie ist auch eine geborene Hähnle – einer alteingesessenen Schwabenfamilie. Der Vater, Salinenbeamter, anfangs in Schwenningen, später in Sulz, Rottmünster und Hall, verstand es, schon in dem Kinde die Liebe zu der belebten Natur dieser anmutigen ländlichen Gegenden zu wecken und ihm die gediegenen Kenntnisse zu vermitteln, auf die sich später die Ausübung des Naturschutzes gründen konnte. Mit neunzehn Jahren heiratete Lina Hähnle ihren Vetter Hans Hähnle, dessen rastlosem Fleiß es gelang, seine Fabrik in Giengen a. d. Brenz aus kleinen Anfängen zur Weltfirma zu heben. Sechs Kinder sind der Ehe entsprossen. Wie Frau Hähnle diesen eine treusorgende Mutter war, wie sie das ganze große Haus, in dem zahlreiche Gäste allezeit ein- und ausgingen, tatkräftig leitete, in Küche und Keller waltete, im Viehstalle und auf ihrem geliebten Geflügelhofe selbst Hand ans Werk legte, kann hier nicht näher geschildert werden. Noch im Frühjahr 1918, als die »Leutenot« am größten war, hat die 67jährige Frau mit eigener Hand stundenlang das Gespann mit der Egge über die Saat geführt, gewiß ein Beweis ihrer eisernen Willenskraft und unversiegbaren Arbeitsfreude. Ohne diese Eigenschaften hätte sie ihr besonderes Werk, dem sie sich erst zuwandte, als sie bereits auf der Höhe des Lebens stand, nicht durchführen können.

Sie gründete im Jahre 1899 den »Bund für Vogelschutz«. Schon wenige Tage, nachdem ihr Aufruf erschienen war, hatten sich tausend Freunde der Vogelwelt um sie geschart, und dieses Häuflein wuchs von Jahr zu Jahr. In allen Kreisen fanden die Bestrebungen des Bundes Eingang und freudige, ja begeisterte Zustimmung. Heute gehören rund 42 000 Mitglieder dem Bunde an, sie verteilen sich auf etwa 500 Ortsgruppen. Wie wuchsen mit dieser Zahl die Arbeiten und Aufgaben! Wir erinnern nur an die vielen Flugblätter, die von Stuttgart aus in die Welt flatterten, an die zahlreichen Vortragsreisen, die Frau Hähnle persönlich unternahm – auch unser Verein durfte sie am 22. Januar 1913 in seiner Mitte begrüßen – an die Fabrikation und den Versand von Nisthöhlen, Futterhäuschen und dergleichen, an die vielen Eingaben, die dem Vogelschutz auch bei den Behörden immer mehr Geltung zu schaffen suchten, besonders aber an die Einrichtung von ungefähr sechzig größeren und kleineren Vogelschutzgebieten, darunter die Erwerbungen Hiddensee auf Rügen und die Mellumplatte vor der Wesermündung, wo mehrere sehr seltene Vogelarten, z. B. die Brandseeschwalbe, der Steinwälzer, der Säbelschnäbler vor dem Untergange bewahrt wurden. Auch die Gründung des »Deutschen Vogelschutztages«, die Frau Hähnle im Verein mit Professor Dr. Guenther in Freiburg in die Wege leitete, ist ein besonderes Verdienst der zielbewußten Frau. Wie schon ihr Mann, Kommerzienrat Hähnle, allen diesen Bestrebungen Teilnahme und Verständnis entgegenbrachte und sie durch Gewährung reicher Mittel in wahrhaft großzügiger Weise unterstützte, so ist auch ihr Sohn, Herr Ingenieur Hermann Hähnle, gewissermaßen die rechte Hand der Mutter geworden. Hervorragend sind dessen Aufnahmen von Tieren in freier Natur; besonders versteht er es, mittels eines von ihm erfundenen Fernapparates Laufbilder auf den Filmstreifen zu bringen, die in ihrer Schönheit und Naturtreue einzig sind. Wem es vergönnt war, die Laufbilder zu sehen, die Unterzeichneter an oben genanntem Tage in unserm Verein vorführen und erläutern durfte, der wird sich noch heute mit Vergnügen dieser wundervollen Aufnahmen erinnern. Es ist eine Riesensammlung von Lichtbildern, die Herr Ingenieur Hähnle teils selbst aufgenommen, teils von hervorragenden Naturphotographen erworben hat. Wieviel Tausende von Naturfreunden, wieviel Tausende froher Kinder haben diese Bilder entzückt und begeistert!

Frau Hähnle hat sich aber keineswegs darauf beschränkt, nur die Vogelwelt zu hegen und zu pflegen und seltene Vogelarten zu erhalten. Dem ganzen Naturschutz bringt sie das wärmste Interesse entgegen. Schon seit längerer Zeit hat der Bund ein größeres Banngebiet am Federsee bei Buchau in Württemberg erworben und das stattliche Gewässer nach jeder Hinsicht durchforscht, worüber eine eingehende Abhandlung des Bundes Aufschluß gibt. Auch Aufnahmen in fremden Ländern hat Frau Hähnle noch während des Weltkrieges ermöglicht, so prachtvolle Bilder von Edelreihern in der Dobrudscha und von Wisenten in den Wäldern von Bialowics, Urkunden von unersetzlichem Wert.

Möge die seltene Frau, deren vielseitiger Arbeitskraft man die Siebzig nicht anmerkt, noch manches Jahr in Rüstigkeit ihr Amt verwalten, der deutschen Vogelwelt und damit der deutschen Heimat zum Segen, uns allen aber, die sie kennen und verehren, zur Freude! Das ist der Wunsch von vielen Tausenden.

Martin Braeß.

Oberlehrer Bruno Lange, Strehla a. E. †

Ein wertvoller Freund und eifriger Arbeiter für den Heimatschutz ist mit Bruno Lange dahingegangen. Gerade am Weihnachtsfeiertag hat den noch nicht Sechzigjährigen die Stadt Strehla, in der er lange Jahrzehnte als Lehrmeister für Jung und Alt erfolgreich gewirkt hat, unter dem schönen, vollen Geläut ihrer Glocken zur Ruhe geleiten müssen. Der lange, feierliche Zug der Leidtragenden – Schüler und Lehrerschaft, Vereine, Feuerwehr und Bürger aller Kreise – brachte dem Städtchen wohl noch einmal zum Bewußtsein, daß es einen allbeliebten Bürger, eine Persönlichkeit von Wert, verloren hatte. Den Trauerkränzen, die heute Langes Grabstätte bedecken, will der Sächsische Heimatschutz einen Strauß aus Immergrün und Heimatblumen beilegen, wie sie der Verblichene selbst am liebsten gesucht und gepflückt hat.