»Mr kenne Eich aa verrotn, doß dr alte Lotter ’s neie Rathaus asahe will mit seiner Fraa, die doch aa e geburne Geyersche is, vun alten Bauer – Gott hobne salig – de Ältste. Un dr Evans will kumme, dr Stülpner-Karl is aa in dr Näh, un de altn Geyerschen Stadtrichter, dr Blüher un dr Blumenhöfer, hom aa schie zugesaht.«
Ein paar einführende Worte des Vorstehers, darauf Lautenklang und Gesang der Hauskapelle, und nun als Mißklang an der Saaltür laute Stimmen, Wortwechsel eines, der ohne Festkarte Zutritt haben will, mit dem Wächter, der doch endlich sich zu beruhigen scheint und mit lauter Stimme und Kuhglocke den Vorstand ruft. So beginnt die feine wohldurchdachte Arbeit unseres Führers in volkskundlichen Dingen im Obererzgebirge, des Leiters des Erzgebirgs- und Altertumsmuseums in Annaberg, des Herrn Oberlehrer E. Finck. »Gäste« nennt er sie, »ein Intermezzo, das mitten in die Geyersche Gesellschaft hineingreift.«
Die ob der Störung entrüsteten Bürger und Frauen weisen den lärmenden Wächter zur Ruhe. Das ruft den Vorstand auf den Plan. Es entspinnt sich eine regelrechte Verhandlung, in die die Frau Vorsteher, der Kassierer und der Schriftführer, ihre Rechte wahrend, eingreifen. Das erlösende Wort findet der Vorsteher, indem er den draußen Harrenden hereinholen läßt und in ihm Karl Stülpner erkennt. Ihm legt nach der Begrüßung der Verfasser Worte in den Mund, die gerade deshalb, weil sie Stülpner spricht, so überaus ergreifend und wirkungsvoll sich gestalten. Er geißelt die jetzige Zeit mit ihren Irrungen und Wirrungen und leitet so über zu den Vorgängen, die sich nun auf der Bühne abspielen. Im selben Gespräch über die Zeitläufte sind Pfarrer Blüher, der Geschichtsschreiber Geyers, und Evan Evans, der »Vater der sächsischen Baumwollspinnerei«, eingetreten und werden vom Vorsteher mit dem Hinweis auf den Segen, der ihrer Tätigkeit entsproß, eingeführt. Eine mit Bezug auf den Ortsnamen von Stülpner wegen des teuren und schlechten Tabaks angewandte wegwerfende Redensart ruft die darob entrüstete Frau Vorsteher und den Schriftführer auf den Plan, der bewußt seiner Würde das »I« und »Y« im Ortsnamen nicht zu verwechseln bittet.
Da treten aus dem Walde der alte würdige Stadtrichter Lorenz Blumenhöfer mit dem einstigen schwedischen Feldprediger Hollenhagen, dem die Fama allerlei Dinge nachsagt, die aber bei ernstem Geschichtsstudium sich zugunsten Hollenhagens auflösen. So wird auch der Vorsteher belehrt, der bei des Predigers Eintritt sagt:
»Was hat damals durch den einen Toren
unser Geyer für wertvolle Urkunden verloren,«
durch den Hinweis, daß er mit den Kirchenbüchern damals zugleich die Namen der Exulanten verbrannt habe, die sich in Geyer und der ganzen Umgegend aufhielten, damit sie nicht in die Hände der Kaiserlichen fielen. Stadtrichter Blumenhöfer leitet ein Verfahren ein, das aber für den Beleidiger durch Einspruch der besorgten Gattin am Ende gütlich beigelegt wird und zur Entschuldigung und stummen Verzeihung führt.
Unterdessen ist auch der Meister Hieronymus Lotter mit seiner Frau Käte, einer geborenen Geyerschen, in den Kreis getreten und findet zum Ruhme des neuen Rathauses treffliche Worte, die durch abschließende, den Blick und die Gedanken aufwärts und vorwärts lenkende Schlußworte des Vorstehers ihren Ausklang finden, und nach denen durch gemeinschaftlichen Gesang des Liedes »O Täler weit, o Höhen« dem Wald als der Quelle des Vermögens der Stadt und der Baugelder zum Rathaus ein ergreifend wirkendes Loblied dargebracht wird.
Und nun bewegten sich die »Gäste« in den Trachten ihrer Zeit mit unter den Festteilnehmern, nahmen teil an deren Fröhlichkeit und sollen auch den Weg nicht allzubald zurückgefunden haben zu den Gefilden, von dannen sie kamen.
Dem anwesenden Verfasser wurde reicher Dank der Festteilnehmer zuteil, der aus dem Herzen kam, da er vielen aus der Seele sprach, da er uns rechtes Heimatleben in Geschichte, Volkstum und Mundart nachempfinden ließ. Unvergessen sind ihm seine entschuldigenden Worte, da Not und Elend die Bewohner des armen entlegenen Bergstädtleins als Hausierer und Bettler und noch Schlimmeres in die Umgegend trieb, unvergessen sein Loblied auf das gewerbfleißige Geyer der Gegenwart, auf die Tatkraft und den Opfersinn der Stadtväter und Bürgerschaft voraussetzende Schöpfung des neuen Rathauses, das ja dem Feste Anlaß und Mittelpunkt war. Wie wußte er Ernst und Humor zu paaren, so daß der über dem ganzen lagernden Feststimmung kein Abbruch geschah. Und die Vereinsleitung weiß dem Verfasser Dank, daß er so bereitwillig seine Weihnachtsferien der einmal gefaßten Idee opferte und ihr behilflich war, das Vergnügen aus der Flut von Vergnügungen herauszuheben als etwas ganz Besonderes, als einen Heimatabend in des Wortes wahrster Bedeutung.